Charisma - come HOLY SPIRIT

Suche

Direkt zum Seiteninhalt

Joy Dawson: Wie können wir Gottes Stimme hören? (3. Teil)

Mediathek > Charisma-Online-Archiv > Text der Woche

Joy Dawson: Wie können wir Gottes Stimme hören? (3. Teil)
Dies ist nun der dritte und längste Teil von Joy Dawsons Lehre über göttliche Führung und das Hören der Stimme des guten Hirten (vgl. Joh 10). Zwar wiederholt sich manches, was schon vorher gesagt wurde, doch kommen auch wichtige neue Aspekte hinzu. Wir wünschen Ihnen viel Segen beim Lesen und Umsetzen des Gelesenen.

Wir wollen nicht wie ein durchgehender Gaul sein – vorschnell, ungeduldig voranpreschen – aber auch nicht immer hinterherhinken. Handle einfach dann, wenn Gott dir sagt, dass der Zeitpunkt gekommen ist.

Die innere Stimme
Durch die innere Stimme spricht Gott zu uns, wie es in Johannes 10,Verse 3, 4 und 27 heißt: „Meine Schafe hören meine Stimme“. Diese „Stimme“ ist nicht von außen wahrnehmbar, sondern kommt aus unserem Inneren. Ein Beispiel dafür wird in der Apostelgeschichte berichtet, als der Heilige Geist Philippus dazu brachte, in die Wüste zu gehen. Die Frage stellt sich, wie der Heilige Geist zu Philippus sprach.

Gott lässt uns durch sein Wort wissen, auf welchen Wegen er zu Philippus sprach: Philippus bekam eine Botschaft durch einen Engel. In diesem Augenblick sagte ihm die Stimme des Herrn ganz deutlich: „Geh in die Wüste!“ Für jeden Christen, der an göttliche Führung glaubt, ist es ganz normal, den Heiligen Geist als eine innere Stimme zu hören. Er verlässt sich dabei einfach auf Jesu Versprechen: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir.“ Diese Stimme ist leise, nie aufdringlich oder laut. Deshalb müssen auch wir, wenn wir mit Gott sprechen, ruhig werden und hören. Wenn wir immer in Eile und Hektik leben, können wir nicht erwarten, Gottes Stimme deutlich zu vernehmen. Wir werden sie auch nicht hören, wenn wir uns nur oberflächlich dafür interessieren.

In Jeremia 29,13 heißt es: „Ihr werdet mich suchen und finden. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von Euch finden lassen." Diese innere Stimme, durch die Gott zu uns spricht, kann uns zum Beispiel von unseren Sünden überführen, sie kann uns aufmuntern oder uns Anweisungen geben. In Apostelgeschichte 9,31 heißt es: „Die Gemeinde … baute sich und wandelte in der Furcht des Herrn und mehrte sich durch den Beistand (d.h. die Hilfe, die Kraft) des Heiligen Geistes“. Wie empfingen die Gläubigen diesen Beistand? Nun, der Heilige Geist sprach. Er ist ja eine Person und teilte sich den Jüngern auf diese Weise mit.

Ich erinnere mich sehr gut an eine Zeit, als ich immense Schwierigkeiten hatte und wirklich einiges mitmachte. Ich war am Ende, aber ich wusste, dass Gott da war. So betete ich zu ihm und bat ihn, mir Kraft und Trost zu geben, was ich verzweifelt brauchte. Ich wusste, dass er mich hörte und verstand, warum ich so am Boden zerstört war. Mir war es in diesem Augenblick egal, wie Gott zu mir sprechen würde, ich wollte einfach seine Stimme hören. Sofort sprach der Heilige Geist zu mir durch Psalm 94. Ich begann zu lesen und kam zu Vers 19: „Ich hatte viele Bekümmernisse in meinem Herzen; aber deine Tröstungen ergötzen meine Seele." Das Bewusstsein, dass dies Gottes Worte zu mir waren, gab mir Kraft. Nichts in der Welt hätte mich glücklicher machen können als Gottes Stimme, die in diesem Augenblick zu mir sprach.

In Psalm 78,52 heißt es: „ ... und ließ sein Volk ausziehen wie Schafe und führte sie wie eine Herde in der Wüste." Zusammen mit Johannes 10 ergibt sich daraus wieder das Bild des Hirten, d.h. Gott geht uns voran und führt uns. Er schubst uns nicht etwa von hinten, sondern fordert uns auf, ihm zu folgen. Genau das Gegenteil dazu ist Satans Stimme: Er wird uns immer versuchen einzureden, dass Gott uns ja gar nicht vorangeht. Seine Stimme ist laut und drängend und er versucht, uns in eine Krise zu treiben. Gottes Stimme kann auch eindringlich sein, aber niemals laut. Selbst wenn sie uns unserer Sünden überführt, wird stets Friede da sein. Satan dagegen wird anklagen, Vorwürfe machen und uns in die Enge treiben.

Die Bibel sagt es immer wieder, dass wir auf Gott warten sollen. Seine Stimme kommt aus der Stille und ist nur in der Stille zu hören. Satan dagegen will uns aus dieser Stille in eine gefährliche Hektik zerren.


Die Stimme der Verwirrung

Als ich Gott einmal für einen anderen Menschen bat, hörte ich eine drängende Stimme: „Geh zu dieser jungen Christin, sie ist in Schwierigkeiten, geh, beeil dich.“ Die ganze Sache kam mir seltsam vor, weil Gott mich ins Gebet gerufen hatte. Es war nämlich genau Satans Art, alles zu versuchen, um zu stören. Satan handelt ja aus seinem Charakter heraus. Deshalb muss man es sich gut überlegen, ob man während des Gebets überhaupt auf Türklingeln, Telefon oder anderes hören sollte. Ich bin abwehrend gegenüber allem, was mich in meiner Gebetszeit stört. Manchmal können das sogar Gotteskinder sein, die einfach nicht genug auf Seine Stimme hören. Während meiner Gebetszeit bekomme ich dann Anrufe von Leuten, die „unbedingt meine Hilfe brauchen“. Mir wird dann immer sehr schnell klar, was sie viel eher brauchen. Wenn Gott mich ins Gebet ruft, ist nichts so wichtig, wie dies. Alles, was dann stören will, ist nicht von Gott. Satan wird tausend Tricks einsetzen, um uns von unserem Auftrag abzuhalten, gerade deshalb ist es wichtig, dass wir unbeirrt handeln, wenn Gott uns dazu auffordert.

Nachdem ich also diese Stimme gehört hatte, wurde ich unsicher. Es hätte sehr gut sein können, dass diese junge Christin mich wirklich brauchte. Ich hatte sowieso vor, sie noch am selben Tag zu besuchen. Ich bat Gott also mir zu zeigen, was sein Wille war und ob ich wirklich aufhören sollte zu beten. Das Mädchen wohnte am anderen Ende der Stadt, ungefähr 45 Minuten von meinem Haus. Aber Gott bestätigte mir auf keine Weise, dass ich sofort dorthin fahren sollte. So befahl ich Satan, im Namen Jesus zu schweigen. Ich hatte dann deutlich gemerkt, dass es seine Stimme gewesen war, laut, drängend und fordernd. Nachdem Satan schwieg, spürte ich großen Frieden. Ich wusste, es war Gottes Wille, dass ich weiter bete.

Am selben Abend besuchte ich dann diese junge Christin. Sie erzählte mir, dass sie gerade Arbeit gefunden hatte. Sie war den ganzen Tag nicht daheim gewesen.
Ich hatte davon natürlich nichts gewusst. Normalerweise hätte ich angenommen, sie sei immer zu Hause, da sie auch noch kleine Kinder hatte. Damit wurde nur bestätigt, dass die ganze Irritation Satans Taktik gewesen war, mich aus dem Gebet herauszutreiben, um jemanden zu besuchen, der gar nicht da war. All das aufgrund von Stimmen, die nicht von Gott waren.

Wenn wir also zweifeln, ob in dem Augenblick Gott wirklich zu uns spricht, sollten wir auf keinen Fall sofort handeln, sondern darauf warten, bis der Herr uns seinen wirklichen Willen bezeugt. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Gott jemanden ins Gebet ruft und ihn fünf Minuten danach auffordert, sofort wegzugehen.

Vier Empfehlungen

Das war natürlich eine interessante Erfahrung! Wir brauchen jetzt keinesfalls über die Schwierigkeiten bei dieser göttlichen Führung erschrecken. Gott wird uns nie mehr auf die Probe stellen als unseren Erfahrungen angemessen ist. Er weiß genau, wie viel Erkenntnis wir besitzen und er wird uns nicht mehr zumuten, als wir ertragen können.

Wenn wir also irgend etwas nicht verstehen, brauchen wir nur auf den Herrn zu schauen. Er weiß genau, was er tut. Wir müssen nur seinem Charakter vertrauen! Jede Art von Unglaube, Zweifel und Misstrauen ist im Endeffekt darauf zurückzuführen, dass wir Gottes Charakter noch nicht genug kennen.

Wir wollen uns Jesus jeden Tag neu zur Verfügung stellen, um auch wirklich unter der Kontrolle seines Heiligen Geistes zu stehen. Um das jeden Tag erleben zu können, möchte ich euch vier wichtige Regeln weitergeben, die ihr beachten solltet:

  • Zuerst muss unser Wille ganz und gar in Gottes Hand sein.
  • Wir sollten dem Heiligen Geist täglich die Gelegenheit geben, uns unserer Sünden zu überführen, die wir noch nicht erkannt haben. Manchmal ist es notwendig, um solch eine Offenbarung zu ringen.
  • Bitte im Glauben um die Fülle des Heiligen Geistes. Empfange immer wieder neu! (Eph. 5,18; vgl. auch 1 Kor 12,8–10). Unsere Verbindung mit dem Heiligen Geist bestimmt, wie weit wir Gott hingegeben sind und wie weit wir unbekannte Sünden erkennen können.
  • „Widerstehet dem Teufel“ (Jak 4,7). Wir müssen den Mächten der Finsternis zuvorkommen, indem wir sie gar nicht erst an uns heranlassen!


Wenn wir all diese Punkte beachtet haben, kann der Heilige Geist uns optimal leiten und wir sind fähig, selbst auf seinen kleinsten Wink zu reagieren.

Weitere wichtige Punkte

Was geschieht, wenn wir Gott gebeten haben, zu uns zu sprechen, wir schlagen die Bibel auf und stoßen auf eine Stelle, die uns überhaupt nichts sagt?

Die Antwort ist sehr einfach: Wir schlagen unsere Bibel zu, danken dem Herrn und wissen, dass das anscheinend nicht der Weg war, auf dem Gott zu uns sprechen wollte. Das ist kein Grund, um sich Sorgen zu machen und schon gar keiner, um entmutigt zu werden.

Viele Menschen, die in eine solche Situation kommen, beginnen dann, an der Richtigkeit göttlicher Führung zu zweifeln. Aber das ist nicht nötig. Es ist einfach ein Zeichen, dass Gott einen anderen Weg für dich hat. Wir werden wissen, wann der Herr gesprochen hat. Er selbst sagte: „Meine Schafe … kennen meine Stimme.“

Eine andere Schwierigkeit kommt auf, wenn zwei Menschen um dieselbe Sache beten, und zwei verschiedene Antworten erhalten. Was ist zu tun? Zuerst einmal besteht kein Grund zur Aufregung. Die logische Schlussforderung besteht darin, dass beide zum Herrn zurückkehren müssen, um ihn nochmals zu fragen.

Mein Mann und ich kamen einmal genau in diese Situation. Wir hatten uns an einem Samstag vorgenommen, irgendwo hinzufahren. Zuvor wollten wir natürlich den Herrn fragen, ob das auch sein Wille sei. Wir dachten daran, schon früh morgens loszufahren. Nachdem wir beide darum gebetet hatten und die Ergebnisse verglichen, kam folgendes dabei heraus: Einer von uns hatte als Antwort ein klares „Ja“ erhalten, der andere ein ebenso klares „Nein“. Wir waren weit davon entfernt, uns darüber Sorgen zu machen, wir lachten uns an und entschieden uns, zu Gott zurückzukehren. Wahrscheinlich hatte einer von uns seine eigenen Wünsche nicht genug aufgegeben. So gingen wir also in die nächste Runde. Als wir dann die Ergebnisse verglichen, hatte jeder nur seinen Eindruck bestätigt bekommen. Wir hatten also wieder zwei verschiedene Antworten. Natürlich verstanden wir die ganze Sache nicht, und so entschieden wir uns, Gott um Verständnis zu bitten. Es konnte ja sein, dass wir die falsche Frage gestellt hatten. Und genau das war es auch. Als mein Mann und ich beteten, bekamen wir genau die gleiche Antwort. Gott sagte Ja zu unserem Plan wegzufahren, aber er sagte Nein zu dem von uns gewählten Zeitpunkt. Wir sollten nicht morgens, sondern nachmittags fahren.

Wir blieben an diesem Samstagmorgen daheim und es lohnte sich! Ein paar Freunde besuchten uns ganz unerwartet – Gott hatte das natürlich gewusst – und sehr wichtige Fragen wurden beantwortet. Der Herr hat für jeden unserer Tage eine perfekte Planung – denn nur er kann alle Umstände sehen und mit einberechnen.

Wir versäumen so viel, wenn wir ihn nicht nach seinem Plan fragen.

Ein guter Rat ist es auch,
die Fragen einfach und in logischer Reihenfolge zu stellen. Dann haben wir es leichter, weil wir einfache Antworten bekommen. Außerdem sollen wir nicht entmutigt sein, wenn zwei von uns den Herrn um eine Antwort bitten, und nur einer sie bekommt. Vorausgesetzt natürlich, dass nichts in uns Gottes Stimme hindert, sondern dass wir wirklich vor ihm stehen, so dass er reden könnte. In so einer Situation gibt der Herr vielleicht nur einem die Antwort, weil er ihn besonders ermutigen will. Das hat nichts mit Vorziehen zu tun. Gott weiß einfach ganz genau, was wir brauchen. Der andere wird Frieden spüren über die Entscheidung, die der Herr seinem Freund mitgeteilt hat.

Es gibt noch etwas, was wir sicher lernen müssen und das ist, Gottes Antwort durch einen anderen zu erfahren.
Ich möchte dazu ein kleines Beispiel geben: Vor einigen Jahren war ich allein in Neuseeland, während mein Mann geistliche Konferenzen hielt und Bibelstudien organisierte. Ich sollte zu dieser Zeit vor einer Versammlung von jungen Frauen sprechen und fragte den Herrn, was ich sagen sollte. Ich wartete und wartete auf eine Antwort und nichts kam. Als mich eines Abends mein Mann anrief, erzählte ich ihm von meinem Problem, und bat ihn, für mich zu beten. Ich spürte, dass der Herr mich lehren wollte, auf ihn in meinem Mann zu vertrauen. Und genau das war die Lösung. Sobald mein Mann begann, für mich zu beten, erhielt ich die Antwort.

Dasselbe passierte mir auch in Amerika, als ich bei einigen Freunden von mir war. Ich sollte eine Versammlung halten und bat also den Herrn, mir zu sagen, über was ich reden sollte. Nachdem ich ungefähr eine Stunde gebetet hatte und keine Antwort kam, begann ich, mich zu wundern. Ich fragte Gott, was er mir denn zeigen wollte. In dem Augenblick spürte ich ganz deutlich, dass ich zu diesem Bekannten gehen sollte, bei dem ich wohnte. Er war gerade dabei seine Zeitung zu lesen, als ich ihn bat, für mich zu beten. Er verstand sofort und innerhalb von ein paar Minuten hatte ich die Antwort.

Als Loren Cunningham und ich in Ägypten waren, geschah dasselbe noch einmal. Die Versammlung hatte schon begonnen, die Leute sangen schon, und ich hatte keine Ahnung, über was ich sprechen sollte. Bis Gott mir zeigte, dass Loren für mich beten sollte. Sobald er das tat, bekam ich auch die Botschaft. Ich erwischte gerade noch meine Bibel, ging zum Rednerpult und hielt meine Predigt.

Wir müssen lernen, auf Gott auch in anderen Menschen zu vertrauen. Wir brauchen einander, wir brauchen Jesus in anderen. Gott will sehen, ob wir auch bereit sind, durch Menschen seinen Willen zu erfahren.
Das geschieht sicher nicht oft – aber Gott stehen in seiner Allmacht alle Wege offen, um uns zu führen – auch dieser!

Der Herr will uns lehren, unsere Unabhängigkeit abzubauen. Denn auch die Grundlage von Unabhängigkeit ist Stolz. In Psalm 25 ist noch einmal das Wichtigste dieser ganzen Botschaft von göttlicher Führung zusammengefasst: „Der Herr ist gut und integer. Darum führt er die auf den richtigen Weg zurück, die diesen verlassen hatten. Er leitet die Demütigen recht und lehrt die Demütigen seinen Weg. Die Wege des Herrn sind ‚Güte und Wahrheit‘ für diejenigen, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten“ (Verse 8 und 9). „Was ist mit dem, der dem Herrn gehorcht? Der Herr zeigt ihm den richtigen Weg“ (Vers 12). „Der Herr zieht die Menschen, die ihn ernst nehmen, ins Vertrauen“ (14a).

Gewissheit über Gottes Führung

Ich glaube, es ist jedem klar, was für ein immenses Wachstum im Glauben es bedeutet, wenn wir uns Gottes Führung gewiss sind. Ist es nicht wunderbar, den allmächtigen Gott so wirklichkeitsnah zu erfahren, dass man mit ihm sprechen kann und er mit uns?

Gott wird viel stärker Realität für uns, wenn wir ihn um alles fragen können. Eine solche Erfahrung des Dialoges wird für jeden Christen eine neue Dimension seines geistlichen Lebens sein. Aber ein solches Wachstum wird niemals ohne Gefahren zu bewältigen sein. Der Weg ist sehr, sehr eng und es gibt viele Stellen, an denen man stolpern kann. Das musste fast jeder erfahren, der diesen Weg aufgrund von Gottes Verheißungen wählte.

In Jesaja 48,17 steht: „So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige in Israel: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was nützlich ist, und leitet dich auf dem Wege, den du gehst.“ Eine weitere Verheißung finden wir in Sprüche 5,6: „… gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen“. Sobald man anfängt, diese Stellen wörtlich zu nehmen und nach ihnen zu leben, wird man erfahren, was neues Leben bedeutet. Gleichzeitig wird man aber auch vielen Gefahren begegnen.

Die Tücke des Stolzes

Satan und die Mächte der Finsternis wissen, wie gefährlich ihnen ein solches Leben werden kann. Sie zittern vor jedem, der sich ganz auf Gott verlässt und nur auf seine Stimme hin etwas unternimmt. In dem Augenblick haben wir nämlich den Sinn unseres ganzen Christseins gefunden: mit Gott in ständiger Verbindung zu stehen, indem wir mit ihm sprechen und unseren Weg mit ihm gehen. Gerade dann wird Satan einzugreifen versuchen. Seine einfachste, aber sehr erfolgreiche Methode ist, uns stolz zu machen. Dazu gehören Gedanken wie folgende: „Bestimmt hat der Herr mich ganz besonders gern. Immerhin spricht er ja oft mit mir und das auf so vielen verschiedenen Wegen. Wirklich, im Vergleich mit anderen bin ich wahrscheinlich eines seiner Lieblingskinder.“ Solche Gedanken zeigen, dass Satan mit seiner Methode schon Erfolg bei uns hatte.

Gemeinschaft mit Gott

In Apostelgeschichte 17,26–28 sehen wir, warum wir leben: „Und er hat gemacht, dass von einem aller Menschen Geschlechter stammen, die auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat bestimmt, wie lange und wie weit sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollten, ob sie wohl ihn fühlen und finden möchten, und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ Diese Sätze charakterisieren ein normales Christenleben. Der Herr selber hat gesagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“. Die logische Bedeutung dieser Äußerung ist, dass Gott mit uns spricht. Wenn man diesen Zustand aber „als normales Christenleben“ bezeichnen kann, dann werden alle Christen die Möglichkeit haben, diese Erfahrung zu machen. Zu diesem Zweck wurden wir ja geschaffen – in Gemeinschaft mit Gott zu leben. Daraus kann man aber auch schließen, dass es viele, viele andere Christen gibt, die auch Gottes Stimme hören. Es besteht also überhaupt kein Grund für irgend einen von uns, stolz zu werden, wenn wir es gelernt haben, Gottes Stimme zu hören.

Ein wirklich „großer Christ“ wird sich seiner Unzulänglichkeit und Schwachheit bewusst sein; dann erst kann der Herr seine Macht in ihm leben. Weshalb kann man von jedem ganz gewöhnlichen Menschen, der Christ wird, außergewöhnliche Dinge erwarten? Weil wir einen außergewöhnlichen Gott haben! Auf ihn müssen wir alles zurückführen. Sobald wir anfangen, an unsere eigene Stärke zu glauben, werden wir unbrauchbar für Gott und laufen direkt in Satans Arme. Wenn wir eingesehen haben, wie gefährlich Stolz ist, haben wir eine ganz spezifische Wahrheit erkannt.

Doch was machen wir damit? Sobald der Heilige Geist uns irgend einer Sünde überführt, sollten wir sie Gott sofort bekennen und ihn um Verzeihung bitten. Es ist gefährlich, solch einem Drängen des Heiligen Geistes nicht nachzugeben und sich vor Gott nicht zu demütigen. In Obadja 1,3 steht: „Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen.“ Wenn wir unseren Stolz nicht unterbinden, wird es irgendwann soweit kommen, dass er uns betrügt – selbst auf dem Gebiet göttlicher Führung. Satan merkt ganz genau, wenn wir mit unserem Stolz spielen, und er wird das ausnutzen. Er hat damit einen Ansatzpunkt, um jede göttliche Führung zunichte zu machen. Besonders deutlich wird das auch beim Bibellesen.

Es ist sehr einfach, Schriftstellen falsch zu interpretieren, wenn irgend etwas zwischen Gott und uns nicht in Ordnung ist. Denn dann ist eine optimale Führung ja nicht mehr möglich. Satan versuchte selbst Jesus mit Gottes Wort zu versuchen. Nach Matthäus 4,6 sagte er auf der Zinne des Tempels: „Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab, denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf dass du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.“ Dies ist ein Zitat aus Psalm 91. Wenn wir jetzt die Originalstelle damit vergleichen, werden wir sehen, wie geschickt Satan sein Werk beginnt. Dort steht nämlich geschrieben: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.“ Das Wichtigste dabei ist der Einschub „auf allen deinen Wegen“, den Satan natürlich nicht zitierte.

Jesu Wege mussten immer Gottes Wege sein, dann traf die Verheißung auch zu. Aber da Gott seinem Sohn nicht befohlen hatte, sich vom Tempel zu stürzen, waren das nicht seine Wege und die Verheißung traf nicht zu. Wie geschickt versteht es Satan doch, die Wahrheit mit etwas Falschem zu vermischen. Dasselbe Prinzip, das für Jesu Leben galt, gilt auch für unseres: Wir können nicht erwarten, dass Gott uns seine Engel zu Hilfe schickt, wenn wir nicht seine Wege gehen. Deshalb wird Satan auch mit aller Macht versuchen, uns auf falsche Wege zu bringen. Manchmal gelingt ihm das schon, indem er uns einfach unsicher macht.

Wenn wir zum Beispiel mit jemandem über unseren Glauben reden wollen, wird Satan uns einflüstern, dass wir das gar nicht können, bis eine unerklärliche Furcht in uns hochsteigt. Teilweise hat er natürlich recht. Wir sind unfähig, ein gutes Zeugnis abzulegen, aber der, der in uns lebt, kann es – denn er ist vollkommene Liebe, vollkommene Wahrheit und vollkommene Stärke – Jesus Christus, unser Herr. Satan wird immer Halbwahrheiten verbreiten, und was er sagt, steht niemals in Übereinstimmung mit biblischen Grundlagen. Satan wird immer seinem Charakter entsprechend handeln und reden. Der Herr wird uns niemals etwas sagen, was im Widerspruch zu seinem Wort steht, also nichts, was andere verletzt, nichts Liebloses und nichts, was nicht heilig ist, denn all das wäre gegen seinen Charakter.

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist das Absondern von der christlichen Gemeinschaft, was mit Stolz zu tun hat.

Da gerade dieser Punkt sehr viel Verwirrung in unserer heutigen Welt schafft, möchte ich etwas näher darauf eingehen.

Es kommt so oft vor, dass Menschen aufgrund einer angeblich göttlichen Offenbarung sich absondern, weil sie fühlen, dass sie über den anderen stehen. Die restlichen Christen sind ihnen eben nicht „geistlich“ genug und so bilden sie „superheilige Splittergruppen“. Aber so etwas sollte es nicht geben (vgl. Spr 18,1; 1 Kor 1,10–13; 3,1–5; Hebr 10,25). Entweder wir sind eins in Christus oder wir sind nicht wirklich in ihm, so wie er es sich wünscht. Eine Konsequenz dieser ganzen Entwicklung ist der Rückgang an Evangelisationsarbeit. Wenn jeder sich in seine Ecke zurückzieht, um auf eigene Faust mehr Wahrheit und Licht zu finden, können wir ja nicht mehr zusammenarbeiten. Das einzige, was wir aber dann finden werden, ist mehr Dunkelheit und Irrtum. Sobald wir spüren, dass Gott uns etwas Wichtiges mitteilt, was die Allgemeinheit betrifft, sollten wir es den anderen weitergeben – am besten zuerst dem Leiter der jeweiligen Gruppe, denn er ist eine von Gott eingesetzte Autorität.

Es hat keinen Sinn, Wahrheit für sich zu behalten und sie als individuellen Besitz zu betrachten. Das ist Satans Idee. Er wird sie in Menschen verwirklichen können, die zu stolz sind, um sich vor anderen zu demütigen. Der Ausgangspunkt dieser ganzen Entwicklung ist Stolz – vielleicht erkennen wir jetzt, was Satan daraus machen kann. Stolze Menschen sind auch immer ein Hindernis bei Evangelisationsarbeiten, weil sie sich nicht in eine Gruppe einfügen wollen, die ja doch nur gemeinsam effektiv arbeiten kann.

Wenn Gott uns wirklich mehr Wahrheit und Licht gibt, dann dient das im Endeffekt dazu, Menschen für ihn zu gewinnen. Das ist das optimale Ziel.

In Apostelgeschichte 1,8 heißt es: „Ihr werdet aber die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“ Das ist der Zweck hinter Gottes ganzem Wirken in uns und an uns.

Unser Herz mit Gottes Augen sehen

Wir haben jetzt gesehen, wie gefährlich Stolz für uns ist – es ist eine der größten Gefahrenstellen in unserem christlichen Leben. Deshalb müssen wir uns Gott immer wieder stellen und ihn bitten, uns zu zeigen, ob und wo wir stolz sind.
Ich glaube, dass dies der Kernpunkt der ganzen Botschaft ist, und ich kann nicht genug unterstreichen, wie wichtig es ist.
Wir müssen Gott bitten, dass er uns unser Herz zeigt, wie Er es sieht. Nicht wie andere Leute es sehen, nicht wie wir es sehen, sondern wie Gott es sieht. Denn genau so ist es! Wir müssen beten, wie David es tat: „Erforsche mich Gott und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre wie ich’s meine“ (Ps 139,25). Und dann dürfen wir auf die Antwort warten.

In Jeremia 17,9 steht: „Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der Herr kann das Herz ergründen!“

Hier wird ganz klar gezeigt, dass man sich selber nicht bis ins Letzte kennt. Nur Gott allein weiß genau, wie und wer wir sind. 2. Chronik 6,30 sagt: „ … so wollest du … jedermann geben nach all seinem Wandel, nach dem du sein Herz erkennst (denn du allein erkennst das Herz der Menschenkinder)“. Weiter heißt es in Lukas 1,51: „Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig (stolz) sind in ihres Herzens Sinn.“

Jesus wusste – auch als er Mensch war – ganz genau, wie die Menschen sind. Er durchschaute sie und kannte sie besser als sie sich selbst. Wir brauchen auch heute sehr dringend eine Selbsterkenntnis, und die kann nur Gott uns geben. In Psalm 90,8 heißt es: „Denn unsere Missetaten stellst du vor dich, unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht“. Genau das brauchen wir – den Heiligen Geist, der uns zeigt, wer und wie wir wirklich sind. Nur er kann Offenbarungen und Licht geben, nur von ihm kommt Wissen und Erkenntnis. Und wenn wir das nicht besitzen, müssen wir ihn eben darum bitten.


Lebenskrisen

In meinem bisherigen Leben hatte ich vier große Krisen zu überstehen, in denen Gott mir zeigte, wer ich wirklich war. Ich spürte, dass der Heilige Geist mir mein Wesen zeigen wollte. Ich brauchte Licht, um mich selber erkennen zu können. Als ich Gott das erste Mal darum bat, erlebte ich etwas, was ich vorher noch nie erlebt hatte: Ich sah mich, wie ich mich nicht kannte – in Gottes Licht. Ich bin jetzt sicher, dass der Herr damals wirklich Gnade walten ließ und mir nicht alles zeigte, aber eines erkannte ich sehr deutlich: meinen Stolz.

Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr mit Evangelisationsarbeit beschäftigt. Ich organisierte Gebetsstunden, Konferenzen, missionarische Einsätze und Teestuben. Kurzum, ich fühlte mich sehr beschäftigt für den Herrn. Aber hinter all dieser Arbeit steckte mein Stolz, und das konnte Gott nicht mit ansehen. Man kann stundenlang beten, predigen, Zeugnis ablegen und Bibellesen, trotzdem kann sich, ohne dass wir es merken, ein falsches Motiv einschleichen. Ich weiß es, denn ich habe es erlebt. Das einzige Mittel dagegen ist, dass wir Gott um eine Offenbarung bitten. Er allein kann uns von unseren unerkannten Sünden überführen: Stolz und Unglaube sind dabei die häufigsten. Es ist Unglaube, wenn wir Jesus nicht vertrauen, es ist Unglaube, wenn wir Angst haben, für ihn ein Zeugnis abzulegen, es ist Unglaube, wenn wir nicht unserem Herrn nachfolgen und alles aufgeben und verlassen – heute, wenn er uns ruft.

Wir müssen Gott anflehen, dass er uns seinen Heiligen Geist schenkt, dass er uns Licht und Erkenntnis bringt. Als der Herr das erste Mal ein solches Gebet bei mir beantwortete, erkannte ich mein wirkliches Wesen. Fast eine halbe Stunde lang konnte ich nichts anderes tun als weinen – weinen vor Gott über das, was ich getan hatte. Als ich mein wirkliches Ich sah, fragte ich mich, wie Gott mir überhaupt noch vergeben konnte.

Wie wunderbar war danach das Bewusstsein, reingewaschen zu sein von jeder Schuld! Wie dankte ich Gott für die Vergebung der Sünden. Keine andere Erfahrung außer meine Bekehrung konnte mich je so verändern wie diese Selbsterkenntnis.

Der Heilige Geist kann uns nur effektiv führen, wenn auch unerkannte Sünden durch Jesu Blut abgewaschen sind. Jede Sünde hindert das Wirken des Heiligen Geistes in uns und durch uns.

Als der Heilige Geist mich wieder ansprach, wusste ich, dass Gott mir noch etwas zeigen musste. Aber dieses Mal dauerte es lange, bis Gott mir antwortete. Lange Zeit prüfte er meine Ausdauer. Er wollte wissen, ob ich mich wirklich mit aller Kraft nach Licht sehnte oder ob ich aufgeben würde. Es war wie ein Ringen mit Gott. Ich schrie zu ihm, ich flehte ihn an, ich erinnerte ihn an seine Verheißungen, aber der Herr wollte noch mehr: Würde ich demütig genug sein, um auch vor einem anderen Menschen Gottes Licht zu empfangen? Endlich zeigte mir Gott, was so falsch war in meinem Wesen und es war vor einem anderen Christen, dass Gott mir die Augen öffnete und ich ihn weinend um Verzeihung bat. Diese Augenblicke der Selbsterkenntnis sind schrecklich und wunderbar zugleich. Schrecklich, weil man Dinge von sich erfährt, die man früher nicht erkannt hat. Wunderbar, weil das Bewusstsein der vergebenen Schuld und der Reinheit unendlichen Frieden bringt.

Das musste ich auch vor ein paar Monaten erfahren, als Gott wieder zu mir sprach. Er zeigte mir, dass ich nicht genug Liebe hatte, ich war innerlich viel zu hart geworden. Aber sobald man so etwas erkennt, kann man es ja auch ändern. Nur – zuerst muss man den Fehler sehen. Wie recht hatte doch Jesus, als er sagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen!“ Natürlich wird es manchmal so sein, dass wir für diese Wahrheit kämpfen müssen.

Eine Bekannte von mir hatte Gott schon lange um eine Offenbarung gebeten, d.h. sie wollte sich selber im Lichte Gottes sehen. Aber sie wartete nie auf eine Antwort, geschweige denn rang sie mit Gott. Eines Tages dann wusste sie nicht mehr weiter. Sie hatte das Drängen des Heiligen Geistes gespürt, der ihr einfach Ausdauer beibringen wollte, aber sie hatte ihm immer widerstanden. Endlich gab sie nach. Sie bat Gott um eine Antwort und war bereit, darauf zu warten. Eine Stunde betet sie so zu Gott und nichts geschah. Der Herr wollte sehen, ob sie sich wirklich mit jeder Faser ihres Herzens nach Licht und Wahrheit sehnte. Nach einer Stunde begann Gott dann zu ihr zu sprechen und zeigte ihr ihr wirkliches Wesen. Vier Stunden kniete die Frau vor Gott, während der Heilige Geist ihr die Wahrheit offenbarte. Aber damit nicht genug. Am nächsten Morgen rief Gott sie wieder zu sich und für die nächste Stunde sprach er wieder mit ihr und führte die Arbeit des Vortages weiter. Diese Frau war eine engagierte Christin, die viel Verantwortung trug, trotzdem hatte sich Stolz auch bei ihr festgesetzt. Die Erfahrung der Selbsterkenntnis hat ihr gesamtes Leben radikal verändert.

Wenn Gott uns zeigen will, wie wir wirklich sind, hat er auch dort verschiedene Möglichkeiten. Das lernte ich, als Gott mir einmal meinen Stolz zeigen wollte. Er tat es nicht, weil ich ihn darum bat, sondern er zeigte es mir durch gewisse Umstände:

Ich erhielt an diesem Tag einen Anruf. Im Laufe des Gesprächs brauste ich auf und reagierte nicht gerade nett. Ich will mich nicht damit herausreden, dass die Anruferin sowieso ein schwieriger Mensch war. Das ist kein Grund, denn durch Jesus können wir jedem in Liebe begegnen. Sobald das Gespräch beendet war, wusste ich sofort, dass ich den Heiligen Geist betrübt hatte, weil ich gesündigt hatte. In 1. Petrus 5,5 steht: „Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“. Der Herr zeigte mir sehr deutlich, dass ich jetzt durch viele kleine Umstände lernen musste, dass es sich nicht einfach um ein „nicht nett sein“ handelte, sondern dass es wieder mein Stolz war, der mich zur Sünde getrieben hatte. In diesem Augenblick dachte ich: Oh Gott, lieber bringe ich das sofort auf einmal hinter mich, und wenn es Stunden dauert. Aber Gott weiß am besten, was für seine Kinder gut ist. Egal, welchen Weg er benutzt, es ist der beste für uns. Nur eins dürfen wir nie machen: Gott loslassen, bevor wir die Antwort haben!

Wenn wir uns erst einmal in Gottes Licht gesehen haben, kann uns Satan auch nicht mehr in Bezug auf unser Wesen täuschen. Wenn er uns einreden will, dass wir etwas Besonderes sind, nehmen wir das nicht mehr ernst. Jeder, der sich selbst gesehen hat, weiß, dass er ein Nichts ist, und dass alles Große in ihm und an ihm Gott ist.

Wir wollen jetzt kurz auf die charakteristischen Merkmale und Ausdrucksformen von Stolz eingehen.

Wenn jemand stolz ist, kann er das, was Gott ihm gesagt hat, nie für sich behalten. Er wird es überall erzählen, ohne auf die Führung des Heiligen Geistes zu warten.
Wenn Gott tagelang zu uns ganz persönlich spricht, ohne dass wir die Notwendigkeit sehen, es jemandem sofort mitzuteilen, sind wir auf dem besten Wege, nicht stolz zu werden. Die Unterhaltung mit Gott ist eine ganz normale Sache. Warum soll man das also an die große Glocke hängen?

Ein gutes Beispiel dafür finden wir in Markus 9,9.10. Das ist gleich nach der Verklärung Jesu, die ein großer Augenblick für die Apostel war. Sie sahen Mose und Elia und hörten Gottes Stimme. Was für ein Tag! „Da sie aber vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus, dass sie niemandem sagen sollten, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn auferstünde von den Toten.“

Je größer die Offenbarung ist, die wir von ihm bekommen, desto mehr Grund für uns, sie nicht durch unbedachtes Reden zu zerstören. Gott wird uns zeigen, wann wir darüber sprechen sollen. Nur dann wird es auch zu seiner Ehre sein. Uns selbst verherrlichen hat gar keinen Sinn. Wir sind ja nur Werkzeuge und haben nicht das geringste Recht auf eigenen Ruhm.

In Nehemia 2,11 steht: „Und da ich gen Jerusalem kam … machte ich mich des Nachts auf und wenige Männer mit mir (denn ich sagte keinem Menschen, was mir mein Gott eingegeben hatte zu tun in Jerusalem)“.
Auch Esther hatte gelernt zu schweigen. Sie verriet nicht einmal ihre Identität, bis Gottes Zeitpunkt gekommen war. So müssen auch wir lernen, unsere Erfahrungen für uns zu behalten, bis Gott uns sagt, dass wir darüber reden sollen. Lukas 2,19: „Maria aber behielt all diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Ein zweites Merkmal von Stolz ist, wenn wir anderen unbedingt mitteilen wollen, was unsere Geistesgaben oder unsere geistlichen Wirkungsbereiche sind. Das brauchen wir nicht zu tun, denn sobald wir Gott gehorchen, werden andere Menschen in unserem Leben sehen, welche Arbeit Gott durch uns tut.

Ein anderes Zeichen des Stolzes ist, wenn wir Gott in unserem Innern nicht sofort die Ehre geben. Es kann vorkommen, dass Menschen zu uns sagen: „Ich möchte auch gern so Gottes Stimme hören wie du sie hörst“ oder „die Erfahrung, die du gerade gemacht hast, hätte ich auch gerne gemacht“. Die einzig richtige Reaktion ist, sich sofort vor Gott zu demütigen und anzuerkennen, dass es alles nur aus seiner Gnade geschehen ist. Es ist seine Stimme, seine Führung und seine Ehre.

Wenn wir das nicht sofort vor uns selbst bekennen, kann leicht Stolz aufkommen. Gedanken wie „nun ja, wahrscheinlich bin ich doch etwas Besonderes“ geben
uns die Ehre und entziehen sie Gott.

Ein anderes Zeichen von Stolz ist, wenn wir nicht gewillt sind, durch andere Menschen Gottes Willen zu erfahren, auch wenn er sich in Kritik äußert.

Das nächste Merkmal von Stolz hängt eng mit dem eben genannten zusammen. Es bezieht sich auf die geistliche Autorität über uns. Sind wir gewillt, uns dieser von Gott eingesetzten Autorität unterzuordnen? Ich glaube, dass der Herr uns niemals große Verantwortung übertragen kann, wenn wir nicht vorher gelernt haben, seiner durch Menschen verkörperten Autorität zu gehorchen.

Lukas 2,51 „Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt all diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.“ Der letzte Teil ist wohl der wichtigste, aber er ist nur möglich als Konsequenz des vorangegangen, nämlich der Unterordnung Jesu in Hinsicht auf die gegebene Autorität. Und dasselbe Prinzip gilt auch für uns.
Ganz gleich in welchem Lebensbereich, wir müssen uns der von Gott gegebenen Autorität unterordnen.

Lesen wir weiter in Hebräer 13,7.17: „Gedenket an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach … gehorchet euren Lehrern und folget ihnen, denn sie wachen über eure Seelen als die da Rechenschaft dafür geben sollen, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das ist euch nicht gut.“

In 1. Petrus 2,13 heißt es weiterhin: „Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten, oder den Statthaltern als die von ihm gesandt sind zur Strafe für die Übeltäter und zu Lobe den Rechtschaffenen“. Gott hat uns damit eines sehr klar gezeigt: Wir sollen uns der Autorität unterordnen. Selbst wenn man uns aufträgt etwas zu tun, womit wir nicht übereinstimmen. Ich rede hier nicht von der Aufforderung zu sündigen. Das ist etwas anderes, denn in dem Falle zählt nur Gottes Autorität; wir gehorchen ihm mehr als den Menschen.

Wenn wir jedoch einfach einen anderen, vielleicht besseren Weg sehen als derjenige ihn sieht, der uns auf Grund seiner Autorität einen Auftrag gab, so gibt es nur eine Möglichkeit. Man geht zu Gott und bittet ihn, dem anderen doch die bessere Möglichkeit zu zeigen, d.h. die, die man selbst für besser hält. Aber auch jetzt gilt noch das Prinzip der Unterordnung. Wenn dann eine Zeitlang nichts passiert, geht man wieder zu Gott und bittet ihn um Demut und Liebe. Dann erst kann man zu dem anderen gehen und ihm den eigenen Vorschlag unterbreiten. Das alles aber muss im Bewusstsein der Autorität des anderen geschehen. Akzeptiert er nämlich unseren Vorschlag nicht, so haben wir immer noch die Pflicht, uns unterzuordnen. Gott wird uns segnen, wenn wir uns nach diesen Prinzipien richten. Ich glaube, wir können uns gar nicht vorstellen, wie sehr es ihn schmerzt, dass diese so wichtigen Anweisungen so wenig beachtet werden.

Unterscheidung

Eine wichtige Frage ist, wie wir herausfinden, ob wir wirklich von Gott geführt werden. Die andere, sehr reale Möglichkeit ist nämlich, dass wir einer Täuschung unterliegen.

Wie schon früher festgestellt, ist der Ausgangspunkt einer solchen Verwirrung oft unser Stolz. Wie können wir herausfinden, ob die Führung, der wir vertrauen, von Gott ist?

Zuerst einmal wird es bei einer falschen Führung keinen geraden Weg geben und kein erfolgreiches Ende, d.h. die Erfüllung fehlt. Dies wird sich allerdings erst mit der Zeit herausstellen. Wenn wir also merken, dass wir einem Auftrag gefolgt sind, der uns in die Irre führt, war er sicherlich nicht von Gott. Denn was der Herr sagt, das geschieht: „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihr etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten?“ (4. Mose 23,19).

All das darf man nicht verwechseln mit der Situation, wenn Gott wirklich spricht, aber wir seine Worte herumdrehen. Es kommt oft vor, dass der Herr etwas zu uns sagt und bevor wir noch um Verständnis gebetet haben, sagen wir schon: „Ah, das bedeutet ganz bestimmt das und das …!“ Wir müssen Gottes Interpretation verstehen, wir müssen wissen, was ER meint. Wenn wir seine Worte selbst interpretieren, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn der Plan oder die Arbeit keine Erfüllung findet.

Wir müssen uns also davor hüten, Gott vorzugreifen und seine Worte zu interpretieren. Wie wichtig ist es dann aber erst, dass wir Satans Strategie erkennen. Ich würde das nicht so betonen, wenn ich nicht von der immensen Wichtigkeit dieser Botschaft überzeugt wäre. So viele wirklich starke Christen haben sich von Satan in die Irre leiten lassen und sind vom richtigen Weg abgekommen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie groß die Gefahr ist, wir müssen uns der Realität stellen. Satan versucht es immer wieder. Sein Ansatzpunkt ist überall der gleiche: Stolz! Die Bibel sagt: „Dein Trotz und deines Herzens Hochmut hat dich betrogen“ (Jer. 49,16).

Wenn wir Satans Täuschungen folgen, im Glauben, dass die Führung von Gott kommt, wird immer etwas schief gehen. Genau an dem Punkt setzt Satan wieder an: Er versucht, uns weis zu machen, dass Gott ein Lügner sei. Wir geraten in eine Sackgasse: Was wir gehört haben, hat sich nicht erfüllt; der nächstliegende Gedanke ist, dass man Gott doch nicht bedingungslos vertrauen kann.

Wenn wir an dieser Stelle nicht völlig davon überzeugt sind, dass Gott nur aufgrund seines Charakters, Liebe, handeln kann, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass unser Glaube ins Wanken gerät.

Ich kenne Menschen, die sich in einer solchen Situation befanden. Sie waren in die Irre gegangen und gaben nun Gott die Schuld dafür. Anstatt einzusehen, dass Satan sie betrogen hatte, fühlten sie sich an der Nase herumgeführt und entschieden, dass Gott sein Wort nicht hält, und damit verließen sie den Herrn.

Wieder andere Christen entschieden sich zwar nicht so radikal, aber auch sie wurden mit der Situation nicht fertig. Sie gingen zwar noch zur Kirche und benahmen sich wie Christen, aber in ihrem Inneren hatte sich eine starke Abwehr gebildet. Sie lebten in ständigem Zweifel und Unglauben, weil sie Gottes Führung nicht mehr vertrauten. Sie sagten sich: „Ich habe getan, was ich tun sollte, aber Gott tat nicht, was er hätte tun sollen.“

All das kann nicht passieren, wenn wir von Gottes Charakter überzeugt sind: von seiner Treue, seiner Gerechtigkeit, seiner Zuverlässigkeit. Dann werden wir sofort einsehen, dass der Fehler nicht bei Gott lag. Sein Charakter schließt jeden Fehler aus!

Sobald wir das einsehen, kann Satan Gott auch nicht mehr bei uns anklagen, denn „Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge“. Deshalb ist es so wichtig, dass wir seinen Charakter kennenlernen und sicher sind, dass er nur seinem Charakter entsprechend handelt.

Wir können dann vor Gott treten im Bewusstsein, dass wir noch viel zu lernen haben. Gleichzeitig ist es aber sicher, dass auch hinter diesem falschen Weg ein bestimmter Sinn steckte. Wir verstehen ihn zwar noch nicht, aber aufgrund von Gottes Charakter vertrauen wir ihm, dass er unser Verständnis öffnen wird. Er ist ein Gott der Liebe, der uns sicherlich zeigen will, was wir falsch gemacht haben. In Daniel 4,37 sagt Nebukadnezar: „Darum lobe ich … und ehre und preise den König des Himmels, denn all sein Tun ist Wahrheit und seine Wege sind recht, und wer stolz ist, den kann er demütigen.“ Und Nebukadnezar sagt das, nachdem ihn Gott sehr ernsthaft für seinen Stolz strafte. Sollen wir nicht fähig sein, dasselbe zu sagen? „Er ist ein Fels. Seine Werke sind unsträflich; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm; gerecht und fromm ist er“ (5 Mose 32,4).

Ein trauriges Beispiel

Wir müssen also unseren Stolz bereuen und uns vor Gott demütigen, dann kann er uns zeigen, ob Satan uns in die Irre geleitet hatte. Diese Täuschungsversuche brauchen keine momentanen Angriffe zu sein, sie können sich auch über einige Zeit hinziehen. Natürlich hören wir dabei auch Stimmen, sonst würde man wahrscheinlich gar nicht so schnell folgen. Ich denke im Augenblick an einen jungen Mann, der wirklich ein engagierter und begeisterter Christ war. Einmal hatten wir ein Treffen von führenden Repräsentanten verschiedener christlicher Gruppen. Es waren alles ältere Christen, die schon jahrelang Erfahrungen mit göttlicher Führung gemacht hatten. Der Vorsitzende des Komitees hatte aber auch diesen jungen Mann eingeladen. Inzwischen hat er gelernt, dass dies sehr unklug gewesen war, denn der junge Mann wurde sehr, sehr stolz auf die Einladung. Er fühlte sich als etwas ganz Besonderes. Natürlich hatte Satan diesen Stolz sofort erkannt und er benutzte ihn als willkommenen Ansatzpunkt.

Bald wurde der junge Mann von allerlei Täuschungen hin und her getrieben und gehorchte Stimmen, die nicht von Gott kamen. Ich unterhielt mich eines Tages mit ihm und fragte ihn, welche Aufgabe ihm der Herr gegeben hatte. Er sagte sofort: „Ein Apostel“. Ich wollte natürlich wissen, wie er Gottes Führung in diesem Punkt erkannt hatte, ohne dass ich ihm geringsten misstrauisch war. Er erzählte mir, dass er in der Bibel gelesen hatte und dann gespürt hatte, dass er den Platz eines Apostels einnehmen sollte. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber dieser junge Mann war einfach irgend einer Stimme gefolgt. Da Stolz in seinem Herzen war, war er Täuschungen gegenüber sehr anfällig. Ich sagte zu diesem Zeitpunkt noch nichts, aber ich hatte eine Abwehr in meinem Herzen gespürt.

Das nächste war, dass der junge Mann spürte, er solle nicht mehr evangelisieren. Er war früher sehr aktiv gewesen, aber jetzt wollte er Menschen nicht mehr auf Jesus hin ansprechen. Die Begründung für dieses Verhalten war, dass er dem Herrn sehr nahe kommen wollte und sich daher zurückzog.

Die Bibel kennt auch solche Zeiten der Abgeschlossenheit und engen Begegnung mit Gott – aber das Motiv dieses jungen Mannes war Stolz. Eine weitere Täuschung, der er erlag, war folgende: Er sonderte sich von unserer Gruppe ab, weil er mit uns keine Gemeinschaft mehr haben sollte. Natürlich hatte er auch für diese Idee Bibelstellen, ja, er hörte die Aufforderung sogar während er betete.

So sehr kann Satan uns beeinflussen, wenn wir nur ein kleines bisschen Stolz in uns wachsen lassen. Dabei waren alle diese Aufforderungen ganz entgegengesetzt von Gottes Charakter. Als ich eines Tages unser Haus putzte und dabei betete, spürte ich auf einmal eine schwere Last und Sorge um diesen jungen Mann. Ich wusste damals noch nicht, wie es um ihn stand, aber ich spürte fast einen körperlichen Schmerz beim Gedanken an ihn. Ich rief ihn an und lud ihn zu uns ein, damit wir uns unterhalten konnten und zusammen beten konnten. Bevor er zusagte, wollte er natürlich erst noch Gott fragen, ob es sein Wille sei, dass er mich besuchte. Er rief mich dann an und erklärte mir, dass er mit mir auf keinen Fall Gemeinschaft haben dürfe. Jetzt verstand ich natürlich die Sorge, die Gott so schwer in mein Herz gelegt hatte.

Ein anderer Christ, der diesen jungen Mann sehr gut kannte, war sehr beunruhigt durch diese ganze Entwicklung. Wir waren ja alle gute Freunde gewesen und hatten oft im Herrn Gemeinschaft gehabt. Dieser Mann entschied sich, ganz persönlich mit seinem Freund zu sprechen und ging, um ihn zu besuchen. Er kam nicht weiter als bis zur Haustür. Der junge Mann erklärte ihm, Gott hätte sehr deutlich zu ihm gesprochen, dass er mit uns keine Gemeinschaft mehr haben dürfte.

Gemeinschaft als Schutz

Dieser junge Mann ist nur ein Beispiel für viele andere Christen, die Täuschungen Satans erlegen sind und den richtigen Weg verlassen haben. Sichere Zeichen dafür sind: Isolation von der Gemeinschaft mit anderen Christen und das Desinteresse an dem Zeugnis für Jesus. Diese Aufforderungen können einfach nicht von Gott kommen, denn die Bibel sagt: „ … lasset uns … nicht verlassen unsere Versammlungen“ (Hebr. 10,25). Der Herr will, dass wir mit allen seinen Kindern Gemeinschaft haben können. Warum sollen wir nicht mit Katholiken oder Protestanten oder Methodisten oder Baptisten beten? Jesus selbst hat gesagt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt“. (Joh. 13,35).

Wie können wir aber Liebe untereinander haben, wenn wir einer Stimme folgen, die uns von der Gemeinschaft isoliert? Wir sollten solche Täuschungen nicht leicht nehmen, denn Satan hat viele Leben damit durcheinander gebracht.


Vermischung von Wahrheit und Irrtum

Eine andere Taktik, die er anwendet, kann so lauten: „Siehst du den Christen dort drüben? Ich werde ihn heute ganz besonders durch meinen heiligen Geist segnen. Geh du zu ihm, sag ihm das und lege ihm die Hände auf!“ Wir denken natürlich sofort, dass wir Gottes Stimme gehört haben, stürzen zu dem anderen Mann und erzählen ihm, dass Gott ihn durch uns segnen wird.

Ich erfinde diese ganze Sache nicht nur, sie ist wirklich passiert. Der Mann hatte erwartet, dass Gott ihn segnen würde, aber als der andere ihm die Hände auflegte, spürte er eine tiefe Unruhe. Er hatte einfach keinen Frieden mehr und wurde auch nicht gesegnet. Nachher erfuhr er, dass der andere Mann sehr oft behauptete, Gott würde Menschen durch ihn segnen. Die Betonung lag auf dem „ durch ihn“.

Das ist ein Beispiel für die Mischung von Wahrheit und Irrtum. Gott wollte diese Leute segnen, aber Stolz trieb den Mann dazu, sich in den Mittelpunkt zu stellen, indem er überall erzählte, dass der Herr ihn dazu benutzen wollte. Das ist aber nicht nötig, denn wenn der Herr uns benutzen will, dann wird er Menschen zu uns bringen. Ich glaube daran, dass Gott diesem Mann wirklich die Gabe gegeben hatte, durch Handauflegen zu helfen, aber Satan wusste das und er sah den Stolz im Herzen dieses Christen. Natürlich wird Satan immer an der schwächsten Stelle angreifen. Er kennt sie genau, ob sie nun körperlich oder geistlich bedingt ist. Von dort arbeitet er sich dann vor, bis in unser Herz. Eines allerdings wird uns helfen: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ (Matth. 12,34), d.h. konkret, Satan wird sich verraten. Stolz ist niemals intelligent – er ist maßlos. Und Satan und alle Mächte der Finsternis sind maßlos stolz. Sie übertreiben, sie gehen zu weit, und sie werden sich dadurch im Endeffekt immer verraten.

Zeichen von Demut

Wenn wir demütig sind, werden wir nicht unklug handeln. Die Furcht des Herrn bringt Weisheit mit sich, genauso wie den Hass gegen Stolz und somit jegliche Form der Sünde. Satan aber wird sich immer verraten. Genau das passierte auch mit dem Mann, von dem ich eben berichtete. Andere Christen bemerkten die Täuschung, der er erlegen war und wiesen ihn darauf hin. Auch der Heilige Geist zeigte ihm sehr deutlich seinen Fehler. Der Mann bereute daraufhin seine Sünde von ganzem Herzen; er bekannte sie dem Herrn und bat ihn um Verzeihung. Ein anderer Christ befahl dann dem Geist, der dem Mann diese Täuschungen eingeredet hatte, auszufahren. Und im Namen Jesus wurde dieser Mann vollkommen frei. Der Herr schenkte ihm daraufhin wirklich die Gabe, die er durch seinen Stolz zuerst missbraucht hatte, nämlich anderen Menschen durch Händeauflegen zu helfen. Preist den Herrn! In ihm gibt es Sieg über alle Mächte der Finsternis. Wenn wir in tiefer Demut vor Gott bereuen, dann sind auch Satans Ketten wirkungslos. Viele Menschen sind so von Geistern, die ihnen Täuschungen einredeten, befreit worden. In Galater 5,1 steht: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen!“

Wenn wir durch die Umstände spüren, dass wir anscheinend einem falschen Eindruck gefolgt sind, muss das nicht immer notwendigerweise Satans Werk gewesen sein. Der normale Weg ist natürlich, dass wir vor Gott treten und ihn dann um eine Erklärung bitten. Oftmals muss der Herr uns dann zeigen, dass wir unsere eigenen Wünsche und Begierden einfach noch nicht genug aufgegeben haben.

Die letzte Möglichkeit ist, dass wir selber noch zu viel sprechen, d.h. dass wir unser „Ich“ in einem bestimmten Punkt einfach noch nicht völlig aufgegeben haben. Gott wird uns den richtigen Eindruck geben, sobald wir das eingesehen haben. Sie Konsequenz daraus ist, dass wir vor den Vater treten und wirklich entschlossen alles eigene Wollen und Wünschen aufgeben.

Der nächste Punkt ist sehr wichtig:

Die Richtigkeit der Eindrücke, die wir erhalten, wird bestimmt durch den Zustand unseres Herzens vor Gott.

Römer 8,14 sagt: „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“.

Wir können aus diesem Vers sehr Wichtiges lernen: Je mehr unser Leben unter der direkten Kontrolle des Heiligen Geistes steht, desto schneller werden wir die Eindrücke und Anregungen, die von ihm kommen, unterscheiden und verstehen können.

Auch der nächste Gedanke ist sehr wichtig:

Es sind nicht Bibelverse, die entscheiden, ob Gott gesprochen hat, selbst wenn sie genau auf die Situation zutreffen, für die wir um eine Antwort bitten.
Es geht einzig und allein darum, ob der Heilige Geist dieses Wort belebt und es von daher für uns bestimmt ist.

Das Bewusstsein, dass Gott gesprochen hat, drückt sich in einem tiefen inneren Frieden aus. In Johannes 6,63 steht: „Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.“ Weiterhin steht in Römer 8,6: „ … und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.“

Ein persönliches Zeugnis zum Schluss

Letztes Jahr waren mein Mann und ich in London. Wir kamen aus der Schweiz und wollten nach Amerika weiterreisen. Wir suchten Gott im Gebet und baten ihn um Antwort, wann wir London verlassen sollten, denn wir mussten ja Plätze buchen. Ich hatte den Eindruck, dass es der zehnte Tag unseres Aufenthaltes sein würde, und so beteten wir zu Gott um eine Bestätigung. An dem einen Tag, als wir den Herrn noch um Antwort baten, las mein Mann im 1. Könige 8. Ich muss vielleicht noch dazu sagen, dass es für uns praktisch nur zwei Möglichkeiten gab zurückzufliegen. Entweder am 8. oder am 10. Nur an diesen Tagen konnten wir günstige Verbindungen bekommen.

Mein Mann las also 1. Könige 8,66: „Und er ließ das Volk des achten Tages gehen. Und sie segneten den König und gingen hin zu ihren Hütten fröhlich und guten Muts über all dem Guten, das der Herr an David, seinem Knecht, und an seinem Volk Israel getan hatte. Natürlich erschien diese Stelle wie die gewünschte Antwort, aber mein Mann verspürte einfach keinen Frieden und auch nicht die tiefe Überzeugung, dass Gott gesprochen hatte. Wir waren etwas durcheinander und verstanden die ganze Sache nicht, aber wir machten uns keine Sorgen. Wir gingen einfach vor Gottes Thron und baten ihn, uns die Sache zu erklären. Dabei verließen wir uns ganz und gar auf Gottes Charakter, der auch mit einschließt, dass der Herr uns nicht im Dunkeln herumtappen lässt.

Ich hatte gerade den umgekehrten Eindruck erhalten, nämlich dass wir am 10. zurückkehren sollten, aber das war kein Problem. Gern war ich bereit, diesen Gedanken korrigieren zu lassen. Unser einziger Wunsch war, Gottes Willen zu erfahren. Ich betete für meinen Mann und bat Gott, ihm ganz unmissverständlich das richtige Datum ins Herz zu legen und ihm dann tiefen Frieden über die Entscheidung zu geben. Und genau das geschah. Nach ungefähr fünf Minuten sah mein Mann auf und sagte: „Es gibt keinen Zweifel darüber, dass wir am 10. fahren sollen. Gott hat mir dieses Datum ganz einfach ans Herz gelegt und ich habe wirklichen Frieden über die Entscheidung. Ich würde den 8. nicht mal mehr in Betracht ziehen. Wir dankten dem Herrn für seine Führung und unsere Reise verlief ohne jegliche Schwierigkeiten.


Hiermit endet die Trilogie von Joy Dawson zum Thema göttliche Führung und wie wir die Stimme des guten Hirten hören können.

Hinweis: Alle drei Teile von Joy Dawsons Lehre über „Göttlichen Führung“ und „Wie wir die Stimme Gottes hören können“ befinden sich in der Mediathek (2.2), Charisma 154, Bonus.



Home | Aktuelles Magazin | Mediathek | Abo | Shop | Kontakt | Gebet für Israel | Verlag | Links | Leserreisen | Charisma 144 | Charisma 145 | Charisma 146 | Charisma 147 | Charisma 148 | Charisma 149 | Charisma 150 | Charisma 151 | Charisma 152 | Charisma 153 | Charisma 154 | Charisma 155 | Charisma 156 | Charisma 157 | Charisma 158 | Charisma 159 | Charisma 160 | Mediadaten | Gerhard Bially | Impressum | Mithelfer Anmeldung | Mithelfer Anmeldung Bestätigung | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü