Israel College of the Bible beendet erfolgreich ersten Masterstudiengang für arabische und messianisch-jüdische Geistliche

Israel College of the Bible beendet erfolgreich ersten Masterstudiengang für arabische und messianisch-jüdische Geistliche

Im vergangenen akademischen Jahr 2014/15 bot das nationale israelische Bible College (ICB) zum ersten Mal einer Gruppe von vierundzwanzig Pastoren hier aus dem Land einen einjährigen Masterstudiengang für Personen im geistlichen Dienst an. Vor dem Hintergrund unseres Nahost-Kontexts betrachtet, war die Zusammensetzung dieser Gruppe sowie der Dozenten wirklich einzigartig. Sie bestand zu annähernd gleichen Teilen aus arabisch-israelischen und messianisch-israelischen geistlichen Leitern und Dozenten, die im kulturellen Umfeld des jeweils anderen gemeinsam auf Arabisch und Hebräisch studierten.

Über das Leistungsniveau lässt sich nur sagen: Es war außergewöhnlich hoch! Alle vierundzwanzig Pastoren, die den Studiengang begonnen hatten, schlossen ihn auch erfolgreich ab! Die Inhalte waren speziell auf die geistlichen Anforderungen der Ortsgemeinden abgestimmt – einerseits theologisch herausfordernd, andererseits sehr gut in der Praxis anwendbar. Auf dem Programm standen Intensivkurse zu folgenden Themen: „Familie – Ehe, Eltern und das Gesetz“, „Management gemeinnütziger Organisationen; Mitarbeiterbeziehungen“, „Systematische Predigt und Ermahnung“, „Biblische Ethik“, „Studien und Umfrageforschung – Auswertung geistlicher Dienste“, „Überblick über Grundlagen der Theologie“, „Schulung zum Bibelstudium mit ‚Accordance’“ und „Biblische Modelle für Leiterschaft“.

Mit meinen fast 35 Jahren pastoraler Erfahrung in einer so komplexen gesellschaftlichen und geistlichen Situation wie in Israel begann ich den Studiengang mit gewissen Bedenken hinsichtlich des offensichtlichen Aufwands an Zeit und Energie, den ein einjähriges Studium mit sich bringt. Etliche meiner Kollegen hatten ähnliche Bedenken und sprachen auch von dem Risiko, die Verantwortungsbereiche ihrer eigenen Dienste zu vernachlässigen. Doch viele von uns erlebten das genaue Gegenteil und mussten zugeben: „Wenn wir diese Hilfsmittel doch schon vor zwanzig Jahren gehabt hätten…“ Wir bekamen nicht nur emotionale und geistliche Unterstützung durch unsere Gemeinden, sondern auch positives Feedback zur sofortigen Umsetzung des Studierten und Gelernten im Gemeindeleben.

Obwohl im Nahen Osten ein Klima der Angst und des Misstrauens herrscht und verschiedenste Gruppen Gewalt ausüben und all das eine Bedrohung für unsere jeweiligen Volksgruppen darstellt, erlebten wir ein profundes Zeugnis für tätigen Glauben und wollen unserer Freude darüber Ausdruck verleihen. Im Laufe des Jahres wurde nämlich auch deutlich, dass wir auf einer noch viel tieferen Ebene von diesem Studium profitierten. Durch die Interaktion innerhalb und außerhalb der Hörsäle entwickelten sich tiefe Beziehungen zwischen arabischen und jüdischen Glaubensbrüdern. Theologische, kulturelle und politische Mauern fielen; an ihre Stelle trat die Einsicht, wie viel wir doch gemeinsam haben und wie sehr wir einander im Leib aller Gläubigen in der Region brauchen. Geduldig und einfühlsam moderierten unsere Dozenten unsere Diskussionen und achteten auf die Wahrung des Gleichgewichts aus gegenseitiger Liebe und Respekt – die allzu oft Opfer unserer einander ausschließenden Loyalität gegenüber unseren jeweiligen Volksgruppen und der politischen Rhetorik werden, die unseren Alltag in der konfliktgeladenen israelischen Gesellschaft beeinträchtigt. In den letzten Tagen unseres gemeinsamen Studiums beteten wir füreinander, wuschen einander die Füße und bekundeten unsere Einheit in Jesus durch das Abendmahl.

Um diese neu geschmiedeten Beziehungen zwischen den Leitern aus den verschiedenen Volksgruppen am Leben zu erhalten, können wir durch unsere Kommunikation via „WhatsApp“ täglich Gebetsanliegen und Worte der Ermutigung austauschen. Wir suchen bereits aktiv nach Möglichkeiten, wie wir einander in der finanziellen und personellen Unterstützung unserer Dienste fördern können, und schaffen Plattformen, um einander gegenseitig in unseren Gemeinden dienen zu können – sei es in der Jugendarbeit, im Predigtdienst oder bei sozialen und humanitären Initiativen.

Dieser Schritt des „Israel College of the Bible“ (ICB) ist in jederlei Hinsicht ein gewaltiges Zeugnis dafür, was möglich ist, wenn Brüder im Angesicht so vieler Konflikte ganz bewusst mit ihren Überzeugungen im Hinblick auf Einheit ernst machen.

„Seht, wie schön und angenehm es ist, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Es ist wie das kostbare Salböl, das über das Haupt gegossen wird und das sogar noch herabfließt auf den Bart, so wie das Öl herabrann auf den Bart des Hohenpriesters Aaron und hinunter auf den Halssaum seines Gewandes. Es ist erfrischend wie der Tau vom Berg Hermon, der den Berg Zion und seine Hügel benetzt. Wo dies geschieht, hat der Herr seinen Segen versprochen – Leben, das niemals enden wird!“ (Ps 133; NGÜ)

 

Text: Evan Thomas

Evan Thomas ist einer der Pastoren der messianisch-jüdischen Gemeinde Beit Asaph in Netanya.

Foto: Graduation – feierlicher Abschluss des 1. Master-Studiengangs für arabische und jüdische Geistliche.

geschrieben von: Redaktion

 

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