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Stellungnahme zur Gerichtswarnung für den Rhein-Ruhr-Raum
Die Gerichtswarnung für den Rhein-Ruhr-Raum, die von Siegfried Schad per Internet verbreitet wurde, hat viele Christen und Gemeinden in Unruhe versetzt. Die Aussagen werden mit prophetischen Anspruch weitergegeben und sollten gemäß der biblischen Anordnung auch gedeutet und geprüft werden.
„Den Geist löscht nicht aus! Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest!“ (1. Thess 5, 19-21)
Das Wort Gottes ruft zu einer Wertschätzung der Prophetie auf. Verachtung oder Missachtung ist nicht angesagt, jedoch Prüfung. Wenngleich in vielen Gemeinden der Umgang mit Prophetie immer noch sehr ungewohnt ist, so gibt es doch auch eine zunehmende Wachheit und Offenheit für diese Geisteswirkung. Dieses gilt in Sonderheit für Prophezeiungen, die sich auf den persönlichen oder gemeindlichen Kontext beziehen. Die Unsicherheit in Bezug auf eine Prüfung nimmt jedoch zu, wenn es sich um Weissagungen mit überregionalen, nationalen oder gar internationalen Anspruch handelt. Da es sich bei solchen Äußerungen um weitreichende Aussagen handelt, ist eine sorgfältige Prüfung auch von besonderer Bedeutung.
1. Wie kann eine Prüfung geschehen?
Da es sich um Äußerungen mit geistlichem Anspruch handelt, ist es wichtig, dass am Anfang jeder Prüfung auch die Bitte an den Geist Gottes steht, ein solches Prüfungsgeschehen zu leiten. Die Prüfung geschieht mit betendem Herzen.
Da jegliche Äußerung des Geistes immer auch im Einklang mit der biblischen Offenbarung steht, wird eine Prüfung auch nur mit aufgeschlagener Bibel geschehen können. Alles, was im Widerspruch zu Aussagen der Heiligen Schrift steht, ist als Pseudo-Prophetie zurückzuweisen.
Die Prüfung sollte auch nicht nur durch eine Einzelperson geschehen, sondern im neutestamentlichen Sinne in der Gemeinschaft von Christen. Dabei ist eine gegenseitige Wertschätzung, Liebe und Achtung angesagt.
Bei der Prüfung ist auch zu beachten, dass es im Wesen, im Inhalt und in der Praxis der alt-und neutestamentlichen Prophetie Unterschiede gibt. Sowohl in der prophetischen Äußerung als auch im Prüfungs-und Deutungsgeschehen sind mehrere Menschen eingebunden. Die Fixierung auf Einzelpropheten tritt hier im Vergleich zur alttestamentlichen Prophetie zurück.
2. Was wird geprüft?
Es geht um die Prüfung des Inhaltes, der Aussagen einer Prophetie. Hierbei werden auch Fragen nach der Korrektheit, der Richtigkeit von Aussagen gestellt. Werden in einer prophetischen Aussage nachprüfbare Falschaussagen gemacht, so müssen diese auch als solche zurückgewiesen werden. Konkrete Daten und Ansagen können und sollen überprüft werden, so weit das möglich ist. Die Aussagen dürfen dem biblischen Wort nicht widersprechen.
Bei einer Prüfung ist auch danach zu fragen, in welchem Kontext und in welcher Weise der Offenbarungsempfang und die Weitergabe der Prophetie geschehen sind. Allzu häufig sehen sich prophetisch orientierte Christen berufen, eine persönlich gewonnene Sicht mit einem prophetischen Anspruch weiterzugeben. Eine anonyme Weitergabe entspricht nicht der Einbindung des prophetischen Geschehens in den Leib Christi (Gemeinde).
Insbesondere ist auch die unmittelbare und die langfristige Wirkung einer prophetischen Äußerung zu beurteilen. Prophetie soll nach neutestamentlichem Maßstab zur Erbauung, Ermahnung und Tröstung dienen (1.Kor 14,3). Wohl kann eine ermahnende Weissagung auch zunächst Erstaunen oder auch Entsetzen auslösen, sie wird jedoch nach Prüfung auch den tröstenden und aufbauenden Charakter in sich tragen. Prophetien zeigen immer auch einen Weg auf, sie tragen in sich auch einen Gestaltungsraum. Das gilt in Sonderheit für Warnungen oder sog. Gerichtsprophetien. Wenn Gottes Geist der Gemeinde Einblick in die Pläne Satans oder auch in Gerichtspläne Gottes vermittelt, so ist das in der Regel mit dem Aufruf zur Wachsamkeit, Buße oder zu intensiverem Gebet verbunden. So können auch derartig angedeutete Absichten abgewehrt werden. Da, wo Gott sich jedoch in seinem biblischen Wort festgelegt hat (Vgl. Johannes-Offenbarung), wird die Gemeinde nicht aufgefordert, durch Gebet derartige Gerichte abzuwenden. Die Gerichtsankündigungen sind hier auch immer im Sinne des Trostes für eine angefochtene Gemeinde ausgesprochen. Da, wo eine solche Trost-Perspektive nicht vorkommt oder nur angedeutet ist, ist auch Skepsis angesagt. Gottes Reden führt Menschen niemals nur in Angst und Schrecken, sondern zeigt immer auch eine Perspektive des Trostes und der Verheißung auf. Ebenso kritisch ist es zu sehen, wenn ein angeblich prophetischer Einblick in die Pläne Satans mit einer Gemeinde, einer Nation oder dieser Welt entscheidender Auslöser für das evangelistische besondere Engagement der Gemeinde Jesu sein soll. Das Andeuten von kausalen Zusammenhängen nach dem Motto „ Wenn ihr dieses und jenes nicht tut, dann wird Satan seinen Plan durchsetzen“ führt die Gemeinde unter einen Druck, der von Angst bestimmt ist, jedoch nicht von der drängenden Liebe Gottes für seine Welt. Hier steht häufig ein manipulativer Anspruch des prophetisch Redenden im Hintergrund.
Schließlich gehört auch die Person des prophetisch Redenden mit in das Prüfungsgeschehen. Wenngleich das Maß der Heiligung nicht allein ausschlaggebend dafür ist, ob jemand eine Offenbarung empfängt, so ist doch die Heiligung maßgeblich dafür, ob diese Offenbarung in der göttlichen Absicht und Klarheit weitergegeben wird und ob diese auch zu ihrer eigentlichen Wirkung kommt. Menschen, die ohnehin gerne „zu Wort“ kommen wollen oder sich gerne in den Mittelpunkt stellen, sind hier sehr kritisch zu sehen. Nicht selten kommen hier auch psychopathische Persönlichkeitsanteile zum Zuge. Jemand, der eine weitreichende Prophetie weitergibt, sollte auch von den Christen vorort als geistlich reifer Christ erkannt sein. Die Einbindung in die verbindliche Gemeinde vorort ist hier ein besonders wichtiges Merkmal. „Freischaffende“, umherreisende Propheten haben zumeist kein Korrektiv und verursachen häufig sehr großen Schaden. – Entscheidend wird auch sein, in welchem Verhältnis der prophetisch Redende zu dem angeblichen Adressaten der prophetischen Botschaft steht. Wenn dieses Verhältnis nicht von der Liebe Christi und einem Verantwortungsmandat getragen ist, spricht hier all zu häufig eher ein Kritiker oder Unzufriedener mit der Anmaßung der Prophetie. Es kann allerdings durchaus sein, dass Gottes Geist jemanden prophetische Weisungen über eine Person, eine Gemeinde oder ein Land gibt, zu der prophetisch Redende keine intensive Beziehung hat. Nach neutestamentlichem Zeugnis dürfen wir jedoch davon ausgehen, dass Gottes Geist in erster Linie direkt mit den Betroffenen kommuniziert und ein solches Reden von „Außenstehenden“ somit nicht der Normalfall ist. In diesem Sinne ist auch eine gewisse Zurückhaltung geboten, wenn ausländische Propheten massive prophetische Weisungen über unsere Nation weitergeben, die sich nicht mit dem decken, was geistliche Verantwortungsträger im Land auch im Gebet und Hören auf Gott vernommen haben.
3. Zur konkreten Warnung an das Rhein-Ruhr-Gebiet
Die Warnung beinhaltet die konkrete Ankündigung eines Terroranschlages im Raum Köln zu Ende des Jahres 2007- Anfang des Jahres 2008. Hinter diesen Terroranschlägen werden islamische Fundamentalisten gesehen. Der Aufruf gilt, diese Region zu verlassen.
Zunähst ist festzustellen, dass vom neutestamentlichen Zeugnis durchaus als Anzeichen der vorgerückten Weltzeit Kriege und Kriegsgerüchte angekündigt sind ( Vgl. Mt 24,1f; Mk 13,1-23par). Erschütterungen , wie sie auch durch Terrorismus ausgelöst werden, fallen hier nicht aus dem Rahmen dessen, was in den Endzeitreden Jesu Christi und auch den Aussagen der Johannesoffenbarung angezeigt werden. Die Aussagen im NT sind verbunden mit dem Ruf zur Buße und Wachsamkeit und als Trost für die Gemeinde ausgesprochen.
Ein Anschlag, wie er für Deutschland vorausgesagt wird, ist also vom neutestamentlichen Zeugnis nicht auszuschließen. Er ist übrigens auch nicht auszuschließen für jeden wachsamen Zeitgenossen, man bedenke nur die Warnungen seitens des Bundesinnenministeriums.
Die in der Warnung angeführten „Propheten“ bleiben vielfach anonym, aus Angst, Nachteile für die eigene Person zu bekommen. Die Einbindung der prophetisch sich äußernden Personen in konkrete Ortsgemeinden ist nicht erkennbar.
In der Wirkung ist die Warnung sowohl kurzfristig als auch langfristig Angst auslösend. Es geht kein Trost davon aus. Sie zeigt keine gnadenvolle Perspektive auf, wie wir es sonst in der neutestamentlichen Prophetie erkennen können. Sie wirkt manipulativ und lädt nicht ein zu einer Prüfung. In diesem Sinn trägt sie nicht den Charakter neutestamentlicher Prophetie.
Das Zeugnis von bewährten Christen und Gemeinden, die Siegfried Schad kennen, deutet darauf hin, dass hier auch persönlichkeitsbedingte Strukturen zu einer sehr mangelnden Einbindung in den Leib Christi vorort und auch zu solchen Äußerungen geführt haben können.
Nach ausführlichen Beten und Gesprächen- auch im Kreis Charismatischer Leiter in Deutschland ( KCLD) und dem Abwägen aller Aspekte der Prüfung für eine Prophetie
komme ich zu dem Ergebnis, dass es sich hierbei nicht um ein prophetisches Wort vom Heiligen Geist eingegeben handelt.
Es ist zu bedauern, dass ein solches Wort zu Verunsicherung und Angst in vielen Gemeinden und Gruppen beiträgt und die Skepsis gegenüber echter neutestamentlicher Prophetie fördert.
Dass Gott unser deutsches Volk auch durch ernsthafte Entwicklungen, die durchaus den Charakter eines göttlichen Bußrufes in sich tragen, wachrütteln will, ist durch andere prophetische Weisungen immer wieder aufgezeigt worden. Hier und da haben solche Weisungen auch konkrete Gestalt, die allerdings immer auch zur Erbauung, Ermahnung und Tröstung der Gemeinde Jesu beitragen. Solche ernsthaften prophetischen Einschätzungen und Worte sollten uns in intensives Gebet zu dem lebendigen Gott treiben und nicht zu einer angstvollen Flucht.
Dr. Heinrich Christian Rust
6. Dezember 2007, Braunschweig