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Das Grab hat seinen Schrecken verloren

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Das Grab hat seinen Schrecken verloren


Mama hatte schon immer mal an Depressionen gelitten. Auch in dem Jahr 2008. Aber niemand von uns kam auf die Idee, dass dies Vorzeichen des Todes sein könnten. Als ich sie im November jenen Jahres besuchte, saß sie in sich selbst versunken am Küchentisch und sagte nur. „Ich habe soviel falsch gemacht im Leben.“ „Mama, dann geh`doch zur Beichte“,antwortete ich, “das macht man doch bei den Katholiken so.“ „Ach, ich habe kein rechtes Vertrauen zu den Geistlichen in der Pfarrei“, erwiderte sie, „sie sind mir zu jung“. „Dann schreib doch alles auf, und dann geben wir es Jesus (an den wir beide glaubten).“ Mama schrieb etwa 1,5 DIN-A-4-Seiten, dann überreichten wir es Jesus (der zwar unsichtbar, aber für uns doch real war). Als Zeichen seiner Vergebung haben wir die Papiere verbrannt. Mama schien jedenfalls sehr erleichtert.

Als ich sie früh im Jahr 2009 wieder sah, war sie merklich „weniger geworden“, und ich ahnte, dass die Schmerzen, die sie hatte, wohl mehr bedeuteten als Rheuma oder Arthritis. Aber sie war eigentlich recht getrost, lag da auf ihrem kleinen Sofa und sagte vor sich hin: (Ich hatte es ihr nicht beigebracht): „Jesus in Deinen Wunden bin ich geheilt.“
Wir haben sie dann auf Anweisung unseres ältesten Bruders, dem die Symptome nicht gefielen, in „eine Röhre“ gebracht, d.h. ließen eine Computertomografie machen. Danach war schnell klar, dass es tatsächlich „mehr war“. Es war Krebs, der schon Metastasen gebildet hatte. Sie kam dann die Woche drauf ins Krankenhaus, wo man sie gründlich untersuchen und den Ursprung der „Krankheit“ herausfinden wollte. Ich brachte sie mit unserem jüngsten Bruder dorthin.

Aber zu dieser Untersuchung kam es nicht. Sie sollte an einem Montag sein. Am Sonntag davor bekam Mama jedoch eine Krise. Unsere Telefone im Norden, wo wir Älteren wohnen und wohin ich zurückgekehrt war, liefen heiß. Denn die Krise hatte Mama sofort „out geknockt“, d.h. in die Bewusslosigkeit versetzt. Mein Bruder und ich rasten in der Nacht mit dem Auto ins südliche Deutschland, voller Angst, dass das Handy uns vielleicht etwas Endgültiges ankündigen könnte...aber sie lag dann noch drei Tage bewusstlos auf der Intensivstation. Ich war viel bei ihr, habe mit ihr gebetet, gesungen, geredet, den Kopf an sie gelegt. alles getan, was ich auf dem Herzen hatte. Nach dem dritten Tag starb sie friedlich in den Morgenstunden.

Es gab eine Beerdigung mit überwältigender Anteilnahme, was wir als Trost empfanden. Aber als ich danach mit einem Mietauto wieder gen Norden fuhr, war ich doch sehr traurig und etwas hoffnungslos. Wie würde es weitergehen?

Ich traf mich tags drauf, es war ein Samstag, mit einer lieben älteren Bekannten zum Gebet - wir machten dies öfters. Aber am Schluss des Gebets war etwas anders als sonst.
Vor meinen Augen entfaltete sich ein wunderbares inneres Bild. Ein Bild von Mama. Sie sah ein bisschen so aus wie auf ihrem Hochzeitsfoto, nur noch viel, viel strahlender und auch etwas älter ... Sie wirkte wie „von innen beleuchtet“ und war offensichtlich seeehr glücklich.

Das Bild hielt den ganzen Sonntag an und verblasste erst montags morgens.
Ich wusste nun, dass sie bei ihm, bei Jesus, war. Und ich gönnte es ihr sehr. Aber das Bild enthielt noch eine andere Botschaft für mich. Es war so, als ob Gott mir sagen würde: „Hier hast Du eine Mama, die total lieb ist, die nun vollkommen ist. Deine vollkommene Mama.“

Tatsächlich war unsere Beziehung nicht gerade leicht gewesen. Mama wollte von mir etwas an Aufmerksamkeit und Nähe, was ich ihr nicht geben konnte. Ich wiederum wollte von ihr losgelassen werden und einen Segen haben für meine Abwesenheit und mein abenteuerliches Leben. Sie gab mir diesen Segen nie, und ich habe es gespürt, es hatte seine Auswirkung auf mich. Aber nun, über den Tod hinaus, war überraschender Weise alles in Ordnung gekommen! Welch ein Gefühl! Welch ein Geschenk!
Was soll ich sagen?

Es war etwas anders geworden. Wir spürten es alle. Wir haben das Haus entrümpelt und kauften zuerst eine wunderschöne orangebraune Sitzecke, die nun einen warmen Pol bildet. Die Blumen im Garten blühten in diesem Frühjahr schöner denn je, sogar der alte tot geglaubte Fliederbaum brachte noch einmal Knospen hervor.

Und das Grab? Schluss mit dem schwarzen hässlichen Stein und den verkrüppelten Erikastöcken und Veilchen, die irgendwie nie „in die Gänge“ kamen! Meine Cousine legte es an wie ein schönes Gartenbeet, mit „Rindenerde“, wie man sie für Rosenbeete benutzt. Darauf stellte sie ein paar wunderschön bepflanzte Terracottatöpfe. Außerdem lümmeln sich jetzt Engel dort, es liegt dort auch eine riesige Schmuckkugel von meiner Schwägerin. Meine Nichten malten Herzen in die Erde, Kreuze und auch einen Fisch. Das aufgestellten Kreuz trägt eine Rose.

Die Schatten der Vergangenheit sind verblichen. Das Grab hat seinen Schrecken verloren! Etwas ist geheilt und zum Ende gekommen.


Zur Autorin:
Hedi Porten ist Redakteurin/Journalistin, arbeitete im Zeitschriften- und Verlagswesen, zeitweise bei einem Missionswerk, und hatte zuletzt einen eigenen Pressedienst (wertvoll-medien).
Zur Zeit gibt sie gerade ihren dritten Kalender heraus.
Über Jahre vertraut mit der Gemeindearbeit der Christengemeinde Elim in Hamburg, schien sie auch prädestiniert zu sein, die Biografie von "Tante Renate", der über viele Jahre prägenden Kinderdienstmitarbeiterin, zu verfassen.


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