Die Hölle plündern, den Himmel bevölkern  –  NACHRUF  AUF  REINHARD  BONNKE

Die Hölle plündern, den Himmel bevölkern – NACHRUF AUF REINHARD BONNKE

Heute, am 7. Dezember 2019 wurde Reinhard Bonnke im 80. Lebensjahr in die Ewigkeit abberufen.

Im Folgenden gebe ich den Text weiter, den ich für das Evangelische Lexikon für Theologie und Gemeinde (ELThG², Bd. 1) geschrieben hatte, als Evangelist Bonnke noch lebte (dort etwas gekürzt und mit leichten Veränderungen erschienen).

Bonnke erlebte als fast Fünfjähriger die Flucht aus Ostpreußen über Danzig nach Dänemark. Das glaubensstarke Vorbild seiner Mutter erweckte in ihm den Wunsch, Gott kennenzulernen. Vier Jahre lebten sie wie Gefangene in Dänemark und durften nicht zu ihrem Vater, der bereits in Norddeutschland Pastor einer kleinen Pfingstgemeinde geworden war.

In seiner sehr lesenswerten Autobiografie beschreibt Reinhard Bonnke, wie er als Neunjähriger die Wiedergeburt erlebte, als Zehnjähriger den Ruf Gottes verspürte, Missionar in Afrika zu werden, und als Elfjähriger die Geistestaufe empfing. Am evangelikalen Bible College of Wales ausgebildet, wurde er nach Vikariat und evangelistischen Diensten in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden Deutschlands (ACD; heute: Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden [BFP] ordiniert und 1967 gemeinsam mit seiner Frau Anni und ihrem einjährigen Sohn Kai-Uwe von der Velberter Mission der ACD nach Südafrika ausgesandt.

Dort predigte er unter Aufsicht der Apostolic Faith Mission (AFM) in „weißen und schwarzen Gemeinden“, bis ihm 1968 die AFM-Missionsarbeit im Königreich Lesotho anvertraut wurde. Nach bescheidenen Anfängen mit Straßenpredigten werktags und Gemeindegottesdiensten sonntags sandte B. junge Männer als „Fahrradevangelisten“ ins Land und entwickelte einen Bibelfernkurs, der von insgesamt 50.000 Personen bestellt wurde. Doch der eigentliche geistliche Durchbruch kam erst, als Gott begann, unter ihnen Zeichen und Wunder zu wirken.

Ein 4-mal wiederkehrender Traum eines „blutgewaschenen Afrikas“ mit der göttlichen Zusage „Afrika soll gerettet werden!“ brachte B. zu einem geistlichen Paradigmenwechsel. Da die Velberter Mission für seine großen Pläne mit finanziellen Risiken nicht länger die Verantwortung übernehmen konnte, gründete B. 1974/75 das Missionswerk „Christus für alle Nationen“ (CfaN) – mit Sitz in der Nähe des Johannesburger Flughafens, der Stadt, die Gott ihm als Heranwachsendem in einer Vision von Afrika gezeigt hatte.

Die 1. CfaN-Großkampagne fand im April 1975 in Gaborone, Botswana, statt. Sie begann mit 100 Besuchern und wuchs auf weit über 10.000 an. Erstmalig erlebte Evangelist Bonnke, wie Jesus öffentlich ca. 1.000 (Neu-)Bekehrte im Heiligen Geist taufte und sie ohne diesbezügliche Lehre oder Beeinflussung anfingen, wie in Apg 2; 10; 19 in neuen Zungen (Glossolalia) Gott zu preisen.

1978 erwarb B. ein 10.000-Mann-Zelt. Wegen der ständig wachsenden Besucherzahlen ließ B. Anfang der 1980er Jahre ein Zelt mit 34.000 Sitzplätzen bauen, das als „die größte mobile Konstruktion der Welt“ ins Guiness-Buch der Rekorde eingegangen ist.

1986/87 verlegte B. die CfaN-Missionszentrale nach Frankfurt/Main, wo er kurz darauf die erste „Europäische Feuerkonferenz“ (in Anspielung auf Apg 2,2) durchführte, um Christen in Europa für einen evangelistischen Lebensstil zu motivieren. Währenddessen wuchs sein Einfluss in Afrika weiter: Ab 1999 wurde Nigeria für Jahre Evangelisationsschwerpunkt – mit riesigen Versammlungen unter freiem Himmel (das 34.000-Mann-Zelt hatte B. bereits verschenkt), so z. B. zur Jahrtausendwende in Lagos mit bis zu 1,6 Mio. Besuchern pro Tag.

Charakteristisch für CfaN-Evangelisationen ist die Zusammenarbeit mit vielen örtlichen Gemeinden – möglichst aller Konfessionen. Oft wurden die Veranstaltungen auch im Radio oder Fernsehen übertragen. B.s Bücher und Broschüren haben eine Gesamtauflage von 190 Mio. erreicht und sind in 143 Sprachen erschienen.

2010, im Alter von 70 Jahren, setzte B. den 29-jährigen Evangelisten Daniel Kolenda (Orlando, USA) als seinen Nachfolger ein, begleitete ihn jedoch weiter bei Reisen und unterstützte ihn, wo er nur konnte.

Der deutsche Theologe mennonitischer Abstammung Daniel Schott hat 2007 seine Dissertation über Reinhard Bonnke an der University of South Africa geschrieben (Doktorvater Prof. Dr. Johannes Reimer). Dabei kommt er in Übereinstimmung mit vielen geistlichen Leitern, die er während seiner jahrelangen Feldstudien in Afrika interviewte, zu dem Ergebnis, dass Reinhard Bonnke das heutige Christentum im Afrika entscheidend mitgeprägt habe. Pastor Bonnke werde als „demütiger Mensch“ gesehen, der ein brennendes Verlangen habe, „Seelen zu gewinnen“. „Man schätzt seine Selbstlosigkeit, Integrität, seinen großen Glauben und die Liebe Christi in ihm.“

 

Literatur.: Reinhard Bonnke: Im Feuer Gottes. Eine Autobiografie. Frankfurt/Main 2010
Daniel Schott: Evangelism by Fire. Eine kritische Untersuchung der Evangelisationsarbeit von Reinhard Bonnke in Afrika. University of South Africa, 2007.

Reinhard Bonnke war auch für mich persönlich ein Vorbild und ein Segen.

Gerhard Bially

geschrieben von: Redaktion

 

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