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Die nächste Krise kommt bestimmt

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Die nächste Krise kommt bestimmt

Warum geraten wir in Krisen? Eine oberflächliche Antwort wäre: „Weil wir etwas falsch gemacht haben.“ Vielleicht folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Denn eine Krise beinhaltet oft Kampf – „Streit“ unserer Gedanken und unserer Gefühle. Wird die nächste Krise Ihren Absturz beschleunigen oder ihren Aufstieg einleiten?

Die christliche Psychologin Hanne Baar sieht den Sinn von Krisen in der Erweiterung unserer Grenzen: „Ein tiefer geistlicher Sinn hinter allen Nöten, die zu unseren unterschiedlichen Lebensschicksalen dazuzugehören scheinen, liegt offenbar darin, dass sich nach und nach die Grenzen der Bereitwilligkeit, mit der wir Gott dienen, erweitern. Die Not, die dazu oft nötig ist, nennen wir ‚Krise’. ‚In eine Krise kommen’ ist gleichbedeutend mit ‚an seine Grenzen kommen’...

Krisenzeiten sind schwere Zeiten, in denen wir Enttäuschungen zu verarbeiten und zu verschmerzen haben, Enttäuschung über uns selbst, über das Leben, über einen Menschen, vielleicht auch über Gott oder das, was wir für Gott halten ...

Vor der Krise war man ahnungslos gewesen. Man hatte noch problemlos ‚funktioniert’. Es gab Hoffnung, ganz bestimmte Ziele zu erreichen ...

Während der Krise wird die Arbeit, die zuvor leicht von der Hand ging, zur Anstrengung ... Was unbedingt getan werden muss, tut man zwar noch, aber nicht mehr aus Hoffnung, sondern aus Treue ...

Nach der Krise spürt man dann: Die Angst hat sich verringert, Möglichkeiten und Grenzen haben sich erweitert. Ich bin gelassener geworden, gütiger, freude- und liebesfähiger, unabhängiger von den gegebenen Umständen.“ (Aus „Gott macht das Schwache stark“, Hymnus-Verlag, Würzburg ³2003, S. 41–45.)

Hatten wir die Befürchtung, dass unsere Seele zu erfrieren und abzusterben droht, dass alles im Chaos enden wird, dass wir das Ende des Tunnels nie erreichen werden, so hat sich doch schließlich – vielleicht zu unserem eigenen Erstaunen – neues Leben Bahn gebrochen. Manchmal ist allein das Ertragen und Aushalten der Krise schon Teil ihrer Überwindung. Besser ist es, wenn wir aktiv zur Überwindung beitragen und wenn wir die Chance sehen, das Veränderungspotenzial, das, was sich aus der Krise entwickeln kann.

Es ist also nicht so, dass uns die Krise an sich weiter hilft und stärker werden lässt. Vielmehr kommt es darauf an, wie wir in der Krise reagieren.

Ein neutestamentliches Beispiel für eine akute Krisensituation liefern uns Paulus und Silas: Durch eine Vision nach Philippi geführt, erleben sie zuerst die wunderbare Bekehrung einer Geschäftsfrau namens Lydia (die „erste Christin Europas“), bald darauf jedoch eine schmähliche Gefangennahme mit Auspeitschung und Haft im tiefsten Gefängnisverlies. Was hatten sie falsch gemacht? Hätte nicht Silas dem Apostel Paulus Vorwürfe machen können, warum er sie durch seinen Exorzismus in solche Schwierigkeiten gebracht hat? Hätten beide nicht Grund genug gehabt, sich über die ihnen widerfahrenen Ungerechtigkeiten aufzuregen. Doch wie reagierten sie in der Krise? Auch in dieser Situation
beteten sie. Mehr noch, sie lobten und priesen Gott. Dankbarkeit und Vertrauen selbst in einer ausweglosen Lage. Und das überwältigende Resultat ist uns bekannt (Apg 16,23–40).

Wir kennen das geflügelte Wort in christlichen Kreisen: Danken schützt vor Wanken, loben zieht nach oben. Mir selbst ist wichtig geworden, in Krisen die Stille, besser gesagt den Herrn zu suchen. Wenn Enttäuschungen mitspielen ist es wichtig, nicht in eine der sechs folgendenden Kategorien zu verfallen, vor denen der französische Evangelist und Pastor einer 2.000 Mitglieder zählenden Pfingstgemeinde in Paris, François Forschle, warnt (er sprach darüber am 28. September 2010 vor etwa 1.000 Pastoren, Delegierten und Besuchern der 115. Konferenz des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland; vgl. dazu Charisma-Nachricht v. 5.10.10):

Eine enttäuschte Person …

  • verfällt in Angst (aus dieser Angst heraus, bewegt sie sich nicht mehr vorwärts; doch Stillstand ist Rückgang)
  • wird die Situation und die anderen Menschen, mit denen sie zu tun hat bzw. die Organisation, in der sie Verletzungen erlebte, aus persönlicher Betroffenheit ungünstig beurteilen und das Negative anprangern
  • denkt, sie sei (immer) im Recht. (Elia: Ich bin allein übrig geblieben. Märtyrerkomplex)
  • wird depressiv (manche schlafen, um zu vergessen)
  • zieht sich zurück (s. auch Spr 18,1 und 21)
  • sieht nicht, was Gott weiter mit ihr vor hat


Wichtig ist, wie oben erwähnt, keine Wurzel der Bitterkeit in unserem Leben zuzulassen, weil sie nicht nur andere, sondern vor allem uns selbst zerstören wird (Hebräer 12,15: Achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass keine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde, und durch sie viele verunreinigt werden). Wichtig ist außerdem, nicht bei der Ent-Täuschung stehen zu bleiben, sondern
im Glauben darauf zu reagieren. Das bedeutet für mich zum Beispiel, dass ich bekenne:

  • Herr, Du hast die Kontrolle nicht verloren (HE’S GOT THE WHOLE WORLD IN HIS HANDS).
  • Du bist und bleibst mein guter Hirte (Ps 23; Joh 10).
  • Tu ein Zeichen an mir, dass Du’s gut mit mir meinst (Ps 86,17).
  • Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre. Warum sollen denn die Heiden sagen (spotten): „Wo ist denn ihr Gott?“ Unser Gott ist im Himmel; Er kann schaffen was er will (Ps 115,1–3)
  • Herr, ich glaube, dass Du alles zu einem guten Ende führst; mehr noch, dass es am Ende besser ist als je zuvor (vgl. Hiobs Ende und Röm 8,28).



Gott segne Sie!




Gerhard Bially
(Gründer und Herausgeber der Zeitschrift „Charisma“)

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