Charisma - come HOLY SPIRIT

Suche

Direkt zum Seiteninhalt

Gottes Wort als edle Gabe

Charisma 147 > Aus dem Magazin

Dietrich Meyer
Gottes Wort als „edle Gabe“
Zinzendorfs Bemühungen, die Bibel dem Volk und der Gemeinde nahezubringen

Der folgende Artikel führt uns in die Oberlausitz (Sachsen) des 18. Jahrhunderts. Hier begegnen wir einem Adligen mit bemerkenswertem – also „des Merkens werten“ – Erfindungsreichtum dahingehend, seinen Mitmenschen das Wort Gottes zu vermitteln. Beseelt von dem Wunsch, Gottes Wort bei der täglichen Arbeit als Begleiter und Stimme Jesu vor Augen zu haben, „erfindet“ er schließlich die Losungen, die heute weltweit in mehr als 50 Sprachen erscheinen – 2009 sogar erstmals in einer Jugendausgabe (siehe Neuerscheinungen, S. 47).

Dass der Pietismus auf vertiefte Erkenntnis der Heiligen Schrift zielte, das gilt in besonderer Weise auch für den Begründer der Herrnhuter Brüdergemeine, den Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Nach dem Vorbild von August Hermann Francke und der Hallenser Pietisten wollte auch er preiswerte Bibelausgaben in Sachsen herstellen und verteilen und gab darum die nach dem Druckort benannte Ebersdorfer Bibel mit dem Luthertext in Auftrag (1727). Von ihm selbst stammen in dieser Folioausgabe nur ganz kurze Summarien zu den Kapiteln zahlreicher Bücher des Alten Testaments und zum gesam-ten Neuen Testament. Sie wollen den Leser im Sinne einer Überschrift auf wichtige Themen hinweisen.

Wir ersehen daraus: Die Unterschiede zu Luther liegen nicht im Theologischen, sondern in der persönlichen intimeren Sprache Zinzendorfs, die uns heute vielleicht kindlich-zärtlich oder auch barock-empfindsam vorkommt.

Mit der Bibel vertraut werden
Wie kann man die Bibel in die Gemeinde bringen? Zinzendorf bediente sich als junger Mann dazu der Form des Katechismus in Frage und Antwort. Dieser fragt und gibt die Antwort aus der Schrift, denn die Schrift beantwortet alle Fragen des Menschen. Das wollte er verdeutlichen. So beginnt er einen Katechismus folgendermaßen: Was machst du? Ich lebe. Warum? Um Jesu willen (Joh 14, 6–9). Lebst du vergnügt? Ich diene dem Herrn mit Freuden (Ps 100,2). Und woher kommt’s, dass dir so wohl ist? Ich weiß, an wen ich glaube (2 Tim 1,12). Der Katechismus will zum Gespräch über der Bibel anleiten, sodass die Heilige Schrift zur Lebenshilfe für den Christen wird. – wer lernt schon einen Katechismus mit 1713 Fragen auswendig? Das hat Zinzendorf vermutlich auch nicht erwartet. Aber er wollte zeigen, wie sich die täglichen Fragen aus der Schrift beantworten lassen. Er versuchte darum ab 1728 einen anderen Zugang: Jeden Tag soll ein Bibelwort als Parole und Wort für diesen Tag ausgegeben und behalten werden.

Die Herrnhuter Losungen entstehen
Was zuerst noch die Aufgabe eines Herrnhuter Bruders war, nämlich am Morgen die geistliche Parole für den Tag den Herrnhutern zuzurufen, wurde später schriftlich verfasst. Der Grund: Auch die Geschwister, die im Diasporadienst oder ab 1732 in der äußeren Mission tätig waren, sollten Anteil haben an dem Wort für den Tag. Solche Losungen hatten ein Ziel: das Einprägen eines Gotteswortes, um es bei der täglichen Arbeit als Begleiter und Stimme Jesu vor Augen zu haben. Zinzendorf hoffte, dass so das Unbewusste des Menschen von Gottes Wort geprägt wird und dieses damit in die Tiefenschicht des Menschen eindringt. Denn ist es nicht so, dass wir sehr oft gar nicht überlegt handeln, sondern aus dem Gefühl und Unbewussten heraus, so wie es uns richtig erscheint? Dass die Gemeinde aus der Schrift lebt, weil in ihr Jesu Wort verwurzelt ist, das war Zinzendorfs Hoffnung. Arbeit an der Losung machte ihm große Freude und bis zu seinem Tod bereitete er die Losungsbücher selbst vor. Immer wieder klopfte er die Heilige Schrift nach Worten ab, die sich als Losungen eignen, und stellte sie nach verschiedenen Gesichtspunkten zusammen. Dabei war ihm das Allerwichtigste, dass die Worte, die Jesus selbst gesprochen hat, gelernt würden, aber natürlich interessierte ihn auch das Bekenntnis und die Reaktion der Gemeinde, die Stimme der „Braut Jesu“, oder auch die Weisung für das tägliche Leben als ein „Sittenbüchlein“ für die Gemeinde, auch alle Worte, die vom Heiligen Geist als der Mutter der Gemeine handeln oder von ihm gesprochen werden.

Die Losungen wurden also von Zinzendorf zuerst noch nicht gelost und konnten darum auch kaum als prophetisches Wort oder Vorhersage Jesu für die Tage des kommenden Jahres verstanden werden. Zinzendorf beabsichtigte vielmehr, dass die Gemeinde immer tiefer vom Wort Gottes durchdrungen werde, oder wie er sagte, dass sie „zur lebendigen Bibel“ werde.

Thematisches Schriftstudium
In seinem letzten Lebensjahrzehnt wählte Zinzendorf noch einmal einen anderen Zugang zur Schrift. Er stellte wichtige Verse zum Beispiel aus den Briefen des Paulus zu „Bibellektionen“ zusammen, die er mit der Gemeinde las, um ihre Schriftkenntnis zu vertiefen. Hier stand also die lehrmäßige Seite der Bibel im Vordergrund, weil Zinzendorf erkannte, dass die Gemeinde die Schrift noch immer nicht so verinnerlicht und reflektiert hatte, wie er es sich vorstellte. Auch aus dem 1. und 2. Buch Mose stellte er in gleicher Absicht erzählende Abschnitte zusammen.

Worum es ihm in seinem Leben ging, beschrieb er als junger Mann in dem Lied: „Herr, dein Wort, die edle Gabe, dieses Gold erhalte mir, denn ich setz es aller Habe und dem größten Reichtum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tausend Welten, aber um dies Wort zu tun."

Home | Aktuelles Magazin | Mediathek | Abo | Shop | Kontakt | Gebet für Israel | Verlag | Links | Leserreisen | Charisma 144 | Charisma 145 | Charisma 146 | Charisma 147 | Charisma 148 | Charisma 149 | Charisma 150 | Charisma 151 | Charisma 152 | Charisma 153 | Charisma 154 | Charisma 155 | Charisma 156 | Charisma 157 | Charisma 158 | Charisma 159 | Charisma 160 | Mediadaten | Gerhard Bially | Impressum | Mithelfer Anmeldung | Mithelfer Anmeldung Bestätigung | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü