Charisma 150 > Aus dem Magazim
Werner Beyer
Hintergründe der Berliner Erklärung
Umstrittenes Dokument
Nach hundert Jahren Berliner Erklärung (BE) vergegenwärtige ich mir: Die BE wurde mit gewaltigen Urteilen bedacht:
• sie verhindere in Deutschland die dringend notwendige Erweckung;
• sie habe einen Fluch auf Deutschland geladen („Fluch- erbe der Väter“);
• sie trage die Schuld an der nationalsozialistischen Katastrophe
• und vieles andere mehr.
Mit parteiischen Verteidigungs- oder Tendenzschriften kommen wir dem Verständnis der BE nicht näher. Zwar sind der Forschung durch Kriegsverluste in den Archiven Grenzen gesetzt: Aber in manchen Archiven findet sich doch erhellendes Material. Einiges dazu aus meinen Recherchen:
Keine Hinterwäldler, sondern Verantwortungsträger
Die Unterzeichner der BE kommen aus verschiedenen erwecklichen Gemeinden (in der Mehrzahl Gnadauer). Sie waren oft verantwortlich für ein Werk, eine Mission oder einen Gemeindeverband: Evangelisten, Inspektoren, Missionsdirektoren, Verleger und so weiter. Sie haben nicht nur „19 Stunden“ in Berlin 1909 beraten und dann schnell die BE unterzeichnet. Etliche haben länger als zwei Jahre innere Kämpfe durchgestanden. Warum entschieden sie so?
Und: Wie ist es zu erklären, dass nachträglich auch enge Freunde Jonathan Pauls dieser BE zustimmten? Zu ihnen zählten Jakob Vetter, Ernst Modersohn und Theophil Krawielitzki.
Was hat die anfängliche – 1907 noch nachweisbare – Zustimmung zu den Ereignissen in Kassel, Großalmerode und anderen Orten vonseiten prominenter Gnadauer Persönlichkeiten wie Theodor Haarbeck und Elias Schrenk in eine so heftige Ablehnung umschlagen lassen?
Die Ermittlungen ergeben: Nicht nur in den Kasseler Veranstaltungen brachten auffällige und unangenehme Begleiterscheinungen die Gemeinden in Verruf. Zeitschriften berichten Ähnliches aus zahlreichen Ortschaften bis hin nach Zürich. ...