In der Stille Gott begegnen

In der Stille Gott begegnen

In der letzten Woche haben meine Frau und ich uns in Mecklenburg, speziell in der Sternberger Seenlandschaft, etwas erholt. Vielleicht haben Sie vergeblich versucht, uns im Charisma-Büro telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Sorry. Doch jetzt sind wir wieder für Sie da. Und wir möchten ein wenig erzählen von dem, was wir erlebt haben.

2001 hatte ich diese Gegend bereits auf einem ökumenischen Pilgerweg erkundet, organisiert vom Pilgerkloster Tempzin. In Charisma 118 ist das ausführlich nachzulesen. Im Wald zwischen Witzin und Loiz empfing uns damals Diakon Uwe Seppmann, der in Loiz das Haus Emmaus leitet. In diesem christlichen Gästehaus, das auch manches Mal jüdische Referenten und Gäste hat, konnten wir nun einige Tage der Ruhe verbringen .

Ob es die Rehe oder die Eichhörnchen waren, ein Fuchs, ein Igel oder Schwalben-Jungen, die aus ihrem Nest nach ihrer Mutter schauten, oder ein Fischreiher oder kleine Ziegen, die wir auf unserer Fahrradtour trafen und die erstaunt aus der Wäsche schauten oder die Libellen und die Bienen, umgeben von Getreidefeldern, Wiesen, Seen und Wäldern – all das ließ unser Herz höher schlagen.

An einem Tag hatten wir uns erstmalig E-Bikes ausgeliehen, weil das Mecklenburger Land ziemlich hügelig ist und ganz schöne Steigungen vor uns lagen. Als es anfing zu regnen und der Regen stärker wurde und nicht aufhören wollte – auch kein Bus und keine Bahn zu unserem Ausgangsort fuhr, bewunderte ich die Ruhe meiner Frau, die einfach wusste, dass Gott uns nicht im Regen stehen lassen wird und dass er dafür sorgen wird, dass wir gut wieder in unserem Quartier ankommen. Und tatsächlich – als die großen dunklen Wolken vorübergezogen waren und es wieder hell wurde, konnten wir die restlichen 17 km zügig zurückfahren und die E-Bikes rechtzeitig abgeben.

Immer wieder staunten wir über die riesigen Kirchen, häufig rote Backsteinkirchen. In Sternberg fragte ich, wie viele Sitzplätze vorhanden seien. Mir wurde gesagt: 700. „Und wie viele Leute kommen sonntagmorgens zum Gottesdienst?“ „20 bis 30“ lautete die Antwort. Nur ca. 18% der Bevölkerung sei evangelisch in Mecklenburg-Vorpommern (in Sternberg sogar nur ca. 10%) und 3% katholisch, erklärte uns Uwe Seppman. Freikirchen sind gerade in den ländlichen Gebieten wenig vertreten.

Eine besondere Überraschung war für uns in Beth Emmaus Karl-Friedrich Stock, der uns gleich das Du anbot. Kalli (oder auch Karli), der heute in Sternberg lebt, baute 1973 in dem nördlich von Leipzig gelegenen Dorf Liemehna einen „geistlichen Hafen“ (vgl. griech. limehn) – eine Gemeinschaft im Zuge des Jesus-People-Aufbruchs innerhalb der damaligen DDR. Unter älteren Christen ist Kalli, der als Evangelist, Liedermacher und Musiker umherreiste, immer noch eine Art lebende Legende, wie wir von dritter Seite hörten. Heute ist sein Gebet, dass in Sternberg eine israelfreundliche freie Gemeinde entsteht, die sich mit der Schuld gegenüber den Juden (schon in früheren Jahrhunderten!) identifiziert – ähnlich wie sich Nehemia und Daniel einst mit der Schuld ihres Volkes identifizierten. Möge so der heute angeblich noch spürbare Fluch über der Stadt von Gott in Segen verwandelt werden, wie 2. Chronik 7,14 verheißt. (Wer mehr darüber wissen und K.-F. Stock im Gebet oder anderweitig unterstützen möchte: Seestr. 9, 19406 Sternberg.)

Ob ich nicht einmal einen Hebräisch-Kurs in Beth Emmaus, dem Haus Emmaus mitmachen möchte, fragt mich Uwe Seppmann. Diese im Land Mecklenburg-Vorpommern anerkannte Bildungsveranstaltung will schon im Anfängerkurs die hebräische Schreibschrift und erste Konversationen beibringen. Beides habe ich im Theologiestudium nicht gelernt.

Als ich die Woche noch einmal Revue passieren lasse, wird mit klar:
Das, was ich am ersten Urlaubstag frühmorgens in der Neuerscheinung „Smith Wigglesworth: Biblische Verheißungen für die Salbung des Geistes“ gelesen und mir gar nicht gefallen hatte, konnte ich diese Woche wenigstens etwas mehr lernen und praktizieren: „Absage an das eigene Ego“. Immer wieder war ich versucht, meine Wünsche als die Wünsche meiner Frau zu interpretieren. „Lass es heute zu“, sagt Wigglesworth, „dass ER ein neues Gefäß aus dir macht –, damit du dem Druck standhalten kannst.“

geschrieben von: Gerhard Bially

Gerhard Bially

Eine göttliche Beauftragung zieht sich wie ein roter Faden durch meine Biografie: eine Zeitschrift herauszugeben, um Lesern von dem wunderbaren Wirken des Heiligen Geistes in unserer Zeit zu berichten; ihnen Mut machen, mehr als bisher von Gott zu erwarten.

 

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