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Stärker als alles andere

Charisma 148 > Aus dem Magazin

Stärker als alles andere ist die Liebe!
15 Jahre Shevet Achim

Als der Journalist Jonathan Miles 1990 nach Israel kam, war er vor allem am Schicksal der jüdischen Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion interessiert. Er bemühte sich, sie bei der Integration im Land ihrer Väter zu unterstützen. Damals hätte er nicht gedacht, dass er eines Tages versuchen würde, das Leben kranker arabischer Kinder zu retten, deren einzige Hoffnung eine Operation in Israel ist.

wurde in Israel die Hilfsorganisation Shevet Achim gegründet, um nicht-israelischen Kindern die lebensrettende medizinische Hilfe zu ermöglichen. Der Name Shevet Achim (dt.: einträchtiges Zusammensein) stammt aus Psalm 133, in dem von der Einheit unter Brüdern die Rede ist, die zum Leben führt.

Simantov Allalouf ist einer von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern. Seine Lebensgeschichte und sein Erfahrungsbericht bezeugen, dass nichts stärker ist als die Liebe.

Meine Mutter und mein Vater lernten sich in Auschwitz kennen. Gemeinsam erlebten sie den Tag, an dem das Konzentrationslager durch russische Truppen befreit wurde. Wenn es überhaupt einen Grund geben kann, zu hassen, dann hatten meine Eltern einen solchen Grund: Mein Vater musste miterleben, wie 200.000 bis 300.000 Menschen ermordet wurden. Eine seiner Aufgaben im Lager bestand darin, die Leichname, die zur Verbrennung bestimmt waren, aufeinanderzustapeln und mit Desinfektionsmittel zu übergießen. Damit sollte der Verwesungsgeruch unterdrückt werden. Meine Mutter war Putzfrau im Hauptquartier der SS, und was Frauen dort angetan wurde, davon möchte keiner von uns auch nur etwas hören. Sowohl mein Vater als auch meine Mutter kamen aus ultra-orthodoxen jüdischen Familien. Die Vorfahren väterlicherseits waren koschere Metzger aus Salonika, die Familie meiner Mutter waren rumänische Bauern. Beide kannten keine lebendige persönliche Beziehung zu Gott.

Liebe – nicht von dieser Welt
Ich selbst wurde in Haifa geboren, doch als ich ein kleiner Junge war, zogen wir als Familie nach Kanada. In der Kindheit erzählte mir meine Mutter immer wieder, was die Nazis ihr angetan hatten. Sie hasste diese Menschen leidenschaftlich. Oft sagte sie mir: Die Deutschen sind es nicht wert, dass du dich überhaupt mit ihnen beschäftigst! Das Gift ihrer Bitternis war so stark und real …
… bis zu jenem Tag vor etwa 21 Jahren, als ich sie im Altenheim in Toronto besuchte, wo sie damals lebte. Ich habe die Situation noch lebhaft vor Augen: Als ich kam, saß meine Mutter auf einer Bank, ein Mann, der neben ihr gesessen hatte, stand auf und ging. Auf meine Frage, wer der Herr sei – ich meinte nämlich, einen deutschen Akzent in seine Sprache ausgemacht zu haben –, antwortete sie: „Er ist mein Freund.“

„Was heißt das … er ist dein Freund?“ Ich verstand überhaupt nichts. „Er wohnt auch in diesem Haus“, erwiderte meine Mutter, „und wir sind gute Freunde geworden. Wir essen manchmal gemeinsam zu Abend und unterhalten uns regelmäßig miteinander.“

„Wie kann es sein“, brach es aus mir heraus, „dass du jemanden liebst aus diesem Volk, das uns so schrecklich gehasst hat?“

Und da begann sie mir von der Liebe des Messias zu erzählen. Meine Mutter hatte zehn Jahre vor mir zum Glauben an Jeschua gefunden. Ich dachte damals, sie sei verrückt geworden. Doch sie erzählte mir von dieser Liebe, die Gott ihr ins Herz gegeben hatte, und wie ihr klar geworden war, dass Vergebung etwas ist, das sie nicht verdient hat, aber dennoch empfangen kann, weil er sie so sehr liebt. Dann fügte sie noch hinzu: „Ich kann gar nicht mehr anders. Es drängt mich einfach, meine Feinde zu lieben.“

„Du bist verrückt geworden“, entgegnete ich. „Du hast den Verstand verloren.“ Und ich war so wütend, so wütend! Ihre eigene Familie und die Angehörigen meines Vaters waren doch alle im Lager umgekommen. „Wie kannst du jemanden lieben, der uns so ein grausames Unrecht angetan hat?“ Schließlich begann sie zu weinen und sagte nur: „Du verstehst es nicht.“

„Nein, ich verstehe das nicht. Solche Liebe kann ich nicht nachvollziehen.“ Mit diesen Worten verließ ich sie, obwohl ich eben erst gekommen war. Ich war entsetzt und aufgebracht. Und doch geschah damals etwas in mir. Ich wusste, dass meine Mutter nicht mehr derselbe Mensch war wie vorher. Als Kind hatte ich ihren Hass miterlebt. Nun war ich Mitte dreißig und mein Verstand konnte nicht begreifen, was hier geschehen war. Doch tief in meinem Herzen spürte ich einen unausgesprochenen Wunsch: „Ach, wenn ich doch jemals so geliebt werden könnte, wie sie es beschreibt.“ Ich glaubte damals nicht, dass so etwas möglich sei.
Drei Jahre später begegnete ich ebenfalls dem Messias und empfing seine Vergebung, die mein Leben für immer veränderte.

Liebe – am Werk in dieser Welt
Heute arbeite ich für Shevet Achim, eine kleine Organisation, durch die Gott etwas Großes im Leben von Menschen bewirkt, die gelehrt wurden, Israel zu hassen. Die meisten von ihnen kommen aus einem islamischen Hintergrund und tragen eine tiefe Ablehnung gegen den Staat Israel und das jüdische Volk in sich.

Als ich Jonathan Miles, den Gründer von Shevet Achim, zum ersten Mal traf, spürte ich etwas von Gottes Herz für die Verlorenen. Jonathan lebte mit seiner Familie fünf Jahre in Gaza, erlebte die Not der dort lebenden Menschen und brachte ihnen die Gute Nachricht von Jeschua.

Er lud mich in das Büro von Shevet Achim in der Jerusalemer Prophetenstraße ein. Hier traf ich andere Helfer und befand mich schon bald mit ihnen auf dem Weg nach Gaza. Wir holten mehrere Mütter und ihre Kinder, die mit einem Herzfehler zur Welt gekommen waren, ab und brachten sie zur lebensrettenden Operation in ein israelisches Krankenhaus. Da es derzeit in Gaza keine Spezialisten gibt, die solche Fälle behandeln können, ist dies die einzige Hoffnung für viele Familien.

Bald war ich selbst unterwegs, um Kinder aus Gaza zu holen, schließlich fuhr ich auch in Städte wie Jenin und Shechem. Jenin gilt in Israel als Wespennest des Terrorismus. Die meisten Israelis meiden die Nähe dieser Stadt, und als ich das erste Mal dorthin fuhr, geschah das nicht ohne Beklemmung. Nun saß er neben mir, der Vater, dem die Sorge um sein Kind ins Gesicht geschrieben war. Ein Mann, dessen Vergangenheit und Vorgeschichte ich nicht kannte und der aus einem Ort kam, der für seinen Hass auf Israel bekannt ist.

Wir lernten uns etwas kennen auf dieser Fahrt. Er verstand nur wenig Hebräisch, ich kein Arabisch, aber irgendwie schafften wir es, uns zu verständigen. Schließlich erreichten wir die Klinik. Als offizielle Begleitperson war er verpflichtet, bei seinem Kind zu bleiben. Da er jedoch noch andere Kinder zu Hause versorgen musste, verließ er die Klinik am nächsten Tag. So kümmerten sich meine Frau und ich während der nächsten Tage um das Baby. Als er schließlich wiederkam, war er überrascht, sein Kind noch lebend vorzufinden. Einige der arabischen Mütter erzählten ihm, dass wir uns in der Zwischenzeit um sein Kind gekümmert hätten. Er kam auf uns zu und sagte innerlich betroffen: „Ihr liebt mein Kind mehr als ich. Das verstehe ich nicht.“

„Das ist nur möglich, weil Jeschua unser Leben verändert hat“, erklärte ich ihm. „Und wir lieben dich auch.“ Immer wieder erleben wir, wie die Herzen unserer geschworenen Feinde weich werden und die Liebe sich als stärker erweist als Hass und Vorurteil. Niemand kann wirklich ermessen, was geschieht, wenn Christen aus aller Welt arabischen Kindern zu einer Herzoperation durch jüdische Ärzte in israelischen Kliniken verhelfen!

Mehr und mehr beginne ich das Geheimnis der Versöhnung zu verstehen. Sie geht tiefer als die herzliche Umarmung zwischen jüdischen Ärzten, Krankenschwestern und den Eltern der Kinder aus Gaza oder Jenin. Die Versöhnung, die Gott in uns bewirkt, gründet auf dem größten und höchsten Opfer, das in seinem Sohn Jeschua geschehen ist: „Größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt“ (Joh 15,13).

Liebe – die keine Grenzen kennt
In den letzten Jahren bringen wir auch regelmäßig Kinder aus dem Irak nach Israel. Ich erinnere mich noch gut an diese Frau mit dem schiitischen Hintergrund, die aus Bagdad zu uns gekommen war. Hätte ihre Familie gewusst, dass sie sich in Israel aufhält, wäre ihr Leben bedroht gewesen. Sie war mit ihrem Kind gekommen, obwohl man sie und andere irakische Mütter gedrängt hatte, nicht zur Operation nach Israel zu fahren. Man hatte ihnen sogar fünftausend Dollar geboten und sie aufgefordert: „Geht nach Algerien. Wir werden versuchen, dort eine Operation für euch zu organisieren. Aber fahrt nicht nach Israel!“ war sie hier mit ihrer Tochter. Wir saßen oft zusammen, sie stellte uns viele Fragen über Jeschua, weil sie nicht verstehen konnte, warum wir dies alles tun. Zwei Tage vor ihre Abreise sagte sie uns: „Ich kann Jeschua nicht annehmen, denn mein Mann ist ein religiöser Führer in einer Moschee unserer Stadt. Es würde uns das Leben kosten.“

Wir sollten sie zur Grenze fahren, konnten es aber an jenem Tag nicht, da etwas anderes dazwischenkam. So wurde sie von einem befreundeten arabischen Pastor aus Haifa zur jordanischen Grenze gebracht, von wo aus sie in den Irak weiterreisen würde. Um zwei Uhr nachts bekommt er einen Telefonanruf. Besorgt greift er zum Hörer – es wird doch kein Gemeindemitglied in einen Unfall verwickelt sein – und hier ist diese Frau am Apparat und sagt: „Ich kann nicht in den Irak zurückfahren, ohne euch das zu erzählen: Vor zwei Stunden hat mich mein Ehemann angerufen und von einem Erlebnis berichtet, das er diesen Nachmittag hatte. Er sagte, dass Jeschua ihn in unserem Wohnzimmer besucht habe. Er sei im Zimmer umhergegangen und habe mit ihm über mich und unsere Tochter gesprochenen und erklärt, wer er selber sei. Daraufhin hat er mich einfach anrufen müssen!“ Ich glaube, sie sagte noch, nicht nur ihre kleine Tochter habe ein neues Herz erhalten, sondern alle in ihrer Familie.


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