Charisma - come HOLY SPIRIT

Suche

Direkt zum Seiteninhalt

Von einem „unerledigten Auftrag“

Mediathek > Charisma-Online-Archiv > Text der Woche

„Macht sie zu Jüngern!“ – der unerledigte Auftrag

Als
Buddha im Sterben lag, fragten ihn seine Schüler, wie sie ihm am besten danken könnten. Sie sollten sich ihre Mühe sparen, erwiderte der Meister. Was wirklich zähle, sei seine Lehre, nicht seine Person. Ganz anders ging es den Jüngern Jesu: Nach dem Trauma der Kreuzigung waren sie außerstande, irgendeine zeitlose Wahrheit weiterzutragen. Ihre Gespräche kreisten um den Werdegang ihres Meisters und ohne seine Nähe waren sie orientierungslos (vgl. Lk 24,14–27). „Nachfolge ist Bindung an Christus“, schrieb Dietrich Bonhoeffer in den 1930er Jahren, „und ein Christentum ohne Nachfolge ist immer ein Christentum ohne Jesus Christus.“ Der Ruf bedeutete mehr als ein Lernprogramm oder den Aufruf zur Mitarbeit – es ging Christus um eine lebenslange Bindung an seine Person.

Über 260-mal findet sich das griechische Wort mathetes im Neuen Testament („Jünger“ bzw. „Schüler“, „Student“) – zwar gehäuft in den Evangelien, aber auch nach Ostern und Pfingsten (z.B. Apg 6,1.2.7; 9,19.26; 13,52; 14,20.21.28; 19,1.9.30. Interessant ist, dass der Begriff für ein „Lernen“ ohne Lehrer-Schüler-Beziehung im Neuen Testament nicht vorkommt (matheo). Die abstrakte Aneignung von Prinzipien hatte Jesus für seine Jünger nicht vorgesehen. Seine lebensverändernden Themen forderten immer die ganze Person, deshalb erteilte Jesus den Auftrag: Ihr sollt Menschen „zu Jüngern machen“ (matheteuo – vgl. auch Apg 14,21).


Was einen Menschen zum Jünger macht
Wenn wir Menschen nicht nur lehren, sondern sie lebensverändernd prägen wollen, geht dies nur durch persönliche Nähe und verbindliche Formen der Gemeinschaft. Diese Strategie der „Menschenführung“ hat Jesus seiner Gemeinde für alle Zeiten hinterlassen: „Zuerst in die Tiefe, dann in die Breite; zuerst die Männer, dann die Methoden. Die vier Evangelien enthalten kaum etwas über praktische Kenntnisse oder Managementtechniken“, betont
Günter Krallmann. Vielmehr zeigt uns das Neue Testament, „dass sich die zentralen Themen von Jesus immer um den Charakter drehten, wie zum Beispiel Liebe, Gehorsam, Glaube, Demut, Vergebungsbereitschaft und regelmäßiges Beten.“

Nur Jünger bringen Jünger hervor: Menschen, die das Leben Jesu in sich tragen (vgl. Gal 2,20; 4,19).
Vereinfacht gesagt sollten wir folgende Qualitätsmerkmale im Blick behalten:
- 1 - Ein Jünger steht in lebendiger Gemeinschaft mit Jesus (vgl. Joh 15,4–5; 17,23.26).- 2 - Ein Jünger lebt im Hören auf Gott und lernt zu gehorchen (Mt 7,21.24; 12,50; Joh 8,31–32).- 3 - Ein Jünger lässt sich von Jesus in seinem Charakter verändern (Mt 11,29; Joh 17,19).- 4 - Ein Jünger übt Leiterschaft aus durch Dienerschaft (Joh 13,14–15; Mk 10,43).- 5 - Ein Jünger repräsentiert Jesus als glaubwürdiger Zeuge (Joh 15,27; Apg 1,8).


Wie wir Menschen nachhaltig prägen können

Die meisten Gemeinden ringen heute darum, dass aus bloßen Mitläufern aktive Mitglieder werden. Auf wenigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern liegt oftmals die Last, für ein passives Gemeindevolk Versorger und Veranstalter zu sein. So kommt das Evangelium nie „bis ans Ende der Erde“! Der Auftrag des Auferstandenen lautet: „Macht sie zu Jüngern!“ Sein Ziel sind nicht Gemeinden als Selbstzweck und als „Sammelbecken“, sondern eine dynamische Bewegung. Jüngerschaft ist Gottes Weg der Mission: eine Stabübergabe von Generation zu Generation. Wenn wir den Wettlauf gewinnen wollen, müssen wir radikal umdenken: „Eine kleine Zahl hingegebener Jünger, die sorgfältig in Christusähnlichkeit geschult wurden, wird mehr für Gott erreichen als eine große Zahl von Bekehrten, denen es an geistlicher Tiefe fehlt“ (Krallmann).

Jüngerschaft lässt sich auf verschiedenen Ebenen leben – und wenn wir es konsequent tun, wird „bleibende Frucht“ die Folge sein:- durch Freundschaft und Zweierschaften (gegenseitige Rechenschaft),- durch zeitlich befristete Kleingruppen (nicht nur „Wohlfühl-Hauskreise“),- durch Kurse und Seminare (im Sinne von „lehrt sie, alles zu befolgen ...“) und- durch entsprechende Predigtreihen (am besten verzahnt mit Kleingruppen).

Wie sagte doch Billy Graham, der im Laufe seines langen Evangelisten-Lebens vor über 80 Millionen Menschen gesprochen hat: „Errettung bekommt man umsonst, doch ein Jünger zu werden, kostet alles.“
Swen Schönheit

(Ausführlicher schreibt Swen Schönheit zum Thema in
Charisma 154, S. 34–35. Bestellmöglichkeit hier)


Zum Autor:


S. Schönheit, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern, ist Pfarrer an der evangelischen Apostel-Petrus-Gemeinde in Berlin (Märkisches Viertel).

Home | Aktuelles Magazin | Mediathek | Abo | Shop | Kontakt | Gebet für Israel | Verlag | Links | Leserreisen | Charisma 144 | Charisma 145 | Charisma 146 | Charisma 147 | Charisma 148 | Charisma 149 | Charisma 150 | Charisma 151 | Charisma 152 | Charisma 153 | Charisma 154 | Charisma 155 | Charisma 156 | Charisma 157 | Charisma 158 | Charisma 159 | Charisma 160 | Mediadaten | Gerhard Bially | Impressum | Mithelfer Anmeldung | Mithelfer Anmeldung Bestätigung | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü