Charisma - come HOLY SPIRIT

Suche

Direkt zum Seiteninhalt

Bonus zu Seite 27: Werden in Haiti jetzt noch Helfer gebraucht

Charisma 156 > Bonus

Charisma 156, BONUS zu Seite 27
Werden in Haiti jetzt noch Helfer gebraucht?
Über den Kampf gegen die Cholera und den Sinn von Hilfseinsätzen

Am 12. Januar 2011 haben die Medien daran erinnert, dass ein Jahr zuvor in Haiti über 200.000 Menschen durch das Erdbeben ums Leben gekommen waren. Die letzte Ausgabe der Charisma (Nr. 155, Seite 25) hat darüber informiert, was Hilfsorganisationen in einer solchen Situation bewirken können. Angesichts des großen Personalbedarfs und der vielen Möglichkeiten, stellen sich viele Christen die Frage: Kann und soll ich mich an solchen Hilfseinsätzen beteiligen? - Für die Charisma befragte unser Redaktionsmitglied Rolf-Dieter Braun die Kinderkrankenschwester Rebekka Bodemer, die im Januar von einem solchen Hilfseinsatz aus Haiti zurückkam, zur Situation auf der Karibikinsel und zu der Frage, unter welchen Umständen diese Form der Hilfe sinnvoll sein kann.



Charisma: Welche Arbeit hast du in Haiti gemacht?

Rebekka:
Wir waren ein Team der Hilfsorganisation LandsAid und haben Cholera-Patienten gepflegt.



Charisma: Sind die Maßnahmen, die man nach dem Ausbruch der Cholera eingeleitet hat, insgesamt erfolgreich?

Rebekka:
Nach den statistischen Angaben der PAHO/WHO sind die Patientenzahlen und Sterbezahlen zurzeit rückläufig; die Maßnahmen zeigen offenbar Wirkung. In unserem Tätigkeitsbereich haben wir jedenfalls Erfolge gesehen. Besonders erfreulich war für mich, dass in der Zeit, in der ich dort war, keines der an Cholera erkrankten Kinder in dem Camp, in dem ich tätig war, gestorben ist.



Charisma: Am Jahrestag des Erdbebens, an dem an die über 200.000 Toten erinnert wurde, ist vielfach auch erwähnt worden, dass die Hilfe für Haiti nicht den Erfolg gehabt hat, den man sich vorgestellt hat. Wie kommt das?

Rebekka: Ein Grund ist sicherlich, dass die Weltanschauung und Lebens-Einstellung in Haiti ganz anders ist als bei uns. Natürlich denken wir in diesem Zusammenhang an den Wiederaufbau in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Ausgangssituation war in vielem vergleichbar. Aber die Ergebnisse sind extrem unterschiedlich. In Haiti bin ich oft auf die Haltung gestoßen: "Ich habe durch das Erdbeben mein Haus verloren und lebe jetzt in einer Zeltstadt - damit muss ich mich eben abfinden. Ich lebe eben im Hier und Heute." Trotz der Zerstörungen ist es dort viel seltener, dass jemand Initiative entwickelt oder sagt: "Jetzt müssen wir eben die Ärmel hochkrempeln und anpacken ..."



Charisma: Hängt das damit zusammen, dass in Haiti kaum jemand die Erfahrung gemacht hat, dass Initiative tatsächlich etwas bringt und zum Erfolg führt? Fehlen die Vorbilder?

Rebekka: Dafür gibt sicher mehrere Gründe. So ist es verständlich, dass Leute, die Initiative verlieren, wenn ihr Besitz oft durch Naturkatastrophen zerstört wird, wie es in Haiti in der Vergangenheit oft der Fall war. Aber es fehlt auch an Vorbildern bzw. an Leuten, die mit den Haitianern gemeinsam das Land wieder aufbauen.

Außerdem ist festzustellen, dass die Wertvorstellungen anders als bei uns sind. Das zeigt sich beispielsweise ganz konkret bei den Fragen: "Wie wichtig ist Familie? Welchen Wert haben Kinder?" Besonders traurig macht es mich, dass man oft zu sehen bekommt, wie wenig ein Menschenleben wert ist - das betrifft vor allem Kinder. Zum Teil hat es die Eltern überhaupt nicht interessiert, wenn es ihrem Kind schlecht ging. Manche ließen ihr Kleinkind einfach allein im Cholera-Camp, obwohl es üblich ist, dass die Eltern in einer solchen Situation einen großen Teil der Krankenpflege übernehmen.



Charisma: Vor allem am Jahrestag des Erdbebens in Haiti hat man immer wieder von der Befürchtung gehört, dass Unterstützungs-Gelder von verschiedenen Regierungen gar nicht bei den Bedürftigen ankommen. Aus diesem Grund sei ein großer Teil der finanziellen Unterstützung, die nach dem Erdbeben versprochen worden war, noch gar nicht in Haiti angekommen. An wen kann man sich wenden, wenn man in einer solchen Situation sinnvoll Geld spenden möchte?

Rebekka: Am besten ist es natürlich, wenn man seine Spende an eine Organisation überweist, die man gut kennt. Ich persönlich würde generell an Organisationen geben, von denen ich genau weiß, dass sie vor Ort sind und sich dort einsetzen.



Charisma: Konkret gefragt: Wen würdest du in Haiti, wo du die Verhältnisse gut kennst, am ehesten mit einer Spende unterstützen?

Rebekka: Ich weiß, dass in Haiti beispielsweise die Hilfswerke LandsAid oder Unsere kleinen Brüder und Schwestern eine gute Arbeit machen und sinnvolle Projekte betreuen, so dass eine Spende in diesem Fall wirklich den Menschen zugute kommt.

Am besten kenne ich natürlich die Organisation, bei der ich sonst mitarbeite:
Jugend mit einer Mission ist ein internationales Missionswerk; es ist in Haiti vor Ort aktiv, hat aber auch in Deutschland Zentren, von denen man Informationen in deutscher Sprache bekommen kann. Und ich weiß, dass das Geld, das hier auf dem Konto in Deutschland eingeht, direkt an das Büro von JMEM Haiti in Port au Prince weitergeleitet wird, das die JMEM-Hilfsprojekte organisiert.


Charisma:
Werden in Haiti auch jetzt noch Helfer gebraucht?

Rebekka:
Selbstverständlich werden nach wie vor Helfer gebraucht. Aber es kommt immer darauf an, dass sie an der richtigen Stelle eingesetzt werden.

Man kann aber auch genau sagen, was in der dortigen Situation garantiert nicht gebraucht wird: Leute, die einfach mal rüberfliegen und irgendwie helfen wollen. Oder Leute, die sich nicht einmal um Kontakt-Personen vor Ort bemühen. Da ist es dann wirklich besser, stattdessen Geld zu spenden.

Es gibt viele Hilfswerke, die gut organisiert sind und die wissen, welche Fähigkeiten gebraucht werden; sie können durch ihre Personalplanung dafür sorgen, dass die Helfer tatsächlich dort eingesetzt werden, wo ihr Engagement am meisten gebraucht wird und wo sie am effektivsten helfen können.

Ganz konkret denke ich z. B. an die katholische Hilfsorganisation mit dem Namen
„Unsere kleinen Brüder und Schwestern“, die ich in Haiti kennen gelernt habe und von deren Professionalität ich beeindruckt bin. Diese Organisation hat dort ein Kinderkrankenhaus und eine ganze Reihe weiterer Projekte; sie organisiert z. B. Reis-Verteilungen, unterhält Schulen für Kinder, die sonst keine Schulbildung bekämen, und vergibt Klein-Kredite. Sie sorgt auch für Kinderbetreuung in den Zeltstädten, die es tatsächlich auch ein Jahr danach immer noch gibt und in denen Tausende von Erdbeben-Opfern auch jetzt noch leben. Junge Leute, die helfen wollen, können sich an diese Hilfsorganisation wenden; es gibt ein „Freiwilligenprogramm“, über das man sich beispielsweise im Internet informieren kann.



Charisma: Findest es gut, wenn junge Leute sich im Ausland als Helfer engagieren?

Rebekka: Sicher! Zunächst ist es einfach deshalb sinnvoll, weil es den Leuten hilft. Aus der eigenen Erfahrung würde ich aber sagen, dass es noch mehr bringt. Im Rückblick merke ich nämlich, dass es auch für mich selbst eine wertvolle Erfahrung ist. Solche Einsätze machen einem immer wieder deutlich, was im Leben wirklich wichtig ist.

Durch solche Einsätze werde ich auch immer wieder neu dankbar für das, was ich in Deutschland habe. Und damit meine ich nicht nur Annehmlichkeiten wie die Waschmaschine und die warme Dusche, sondern auch Aspekte, die für die Gesundheit wichtig sind: Die bei uns üblichen Hygienestandards sind etwas enorm Wertvolles. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kann ich hier in Deutschland einfach zum Arzt gehen, sobald ich einen brauche.



Charisma: Hältst du es für sinnvoll, wenn sich viele Christen als Helfer in solchen Situationen, wie sie beispielsweise in Haiti gegeben ist, beteiligen?

Rebekka:
Auf jeden Fall! Ich denke, eine christliche Weltanschauung kann in diesem Fall besonders gut weiterhelfen. Dieses Land braucht dringend Vorbilder und Helfer, die christliche Werte sichtbar und erfahrbar machen.

Für manche stellt sich jeden Tag neu die Frage, vorher sie genug zu essen bekommen sollen. So viele Leute dort denken verständlicherweise vor allem an sich: "Wie komme ich heute am besten durch meinen Tag?" Da ist es gut, wenn Leute kommen, die nicht von dieser Perspektive ausgehen, sondern über die momentane Situation hinaus blicken, auch an den Nächsten denken und Pläne für die Zukunft vorschlagen. Das führt dann auch andere zu der Frage: "Wie können wir als Gemeinschaft gemeinsam hier in unserem Stadtteil oder in unserem Dorf die Lage verbessern? Wie können wir mit Ausdauer und Weitblick etwas Sinnvolles aufbauen?"



Charisma: Welche Ausbildung muss man absolviert haben, um helfen zu können?

Rebekka: Es besteht natürlich immer Bedarf an medizinisch ausgebildeten Leuten – beispielsweise Ärzten, Krankenschwestern oder Physiotherapeuten. Aber es gibt auch Hilfsorganisationen, bei denen die Möglichkeiten sehr vielfältig sind und die Handwerker suchen – beispielsweise Jugend mit einer Mission. Bei JMEM gibt es beispielsweise solche Möglichkeiten für praktische Hilfsdienste. Und überall dort, wo es um die Verwaltung von Spenden geht, werden Buchhalter gebraucht. Es gibt auch andere Bürotätigkeiten, für die Leute mit entsprechender Erfahrung gesucht werden. Generell kann man sagen: Wer eine Berufsausbildung hat, kann auf alle Fälle leichter seine Fähigkeiten konkret einbringen.




Rebekka Bodemer ist von Beruf Kinderkrankenschwester und seit 2004 Mitarbeiterin beim interkonfessionellen Missionswerk Jugend mit einer Mission. Mehrmals jährlich beteiligt sie sich an Auslands-Einsätzen verschiedener Hilfsorganisationen










Cholera-Bekämpfung in Port-au-Prince (Haiti)
Seit Oktober 2010 ist Haiti von der Cholera betroffen. Mitte Januar 2011 wurden über 3.500 Tote und 180.000 Erkrankte von den Behörden gemeldet.

Das Kinderkrankenhaus St. Damien in Port-au-Prince arbeitet mit der deutschen Hilfsorganisation
LandsAidzusammen, die medizinische Teams zu mehrwöchigen Einsätzen nach Haiti entsandt hat.

Cholera ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit. Die Infektion erfolgt zumeist über verunreinigtes Trinkwasser oder infizierte Nahrung. Die Bakterien können extremen Durchfall und starkes Erbrechen verursachen, was zu einer schnellen Austrocknung führen kann. Die Krankheit ist relativ leicht zu behandeln. Allerdings müssen für die Patienten sehr große Mengen von Infusionslösungen bereit stehen, um eine tödliche Dehydrierung zu verhindern. Unbehandelt kann Cholera schnell zum Tod führen. Wenn eine erkrankte Person jedoch rechtzeitig zwei bis drei Tage lang ausreichend Infusionen bekommt, ist sie unter normalen Umständen wieder soweit genesen, dass sie nach Hause gehen kann.

Das Kinderkrankenhaus St. Damien, das von der Hilfsorganisation
Unsere kleinen Brüder und Schwestern (UKBS) getragen wird, hat speziell für die Betreuung von Cholera-Infizierten auf einem weitläufigen Gelände 19 Behandlungszelte errichtet. In der Regel sind acht Zelte in Betrieb, während die anderen gesäubert und desinfiziert werden, damit im Anschluss gleich neue Patienten aufgenommen werden können. In jedem dieser Zelte können 15 Patienten untergebracht werden.




Home | Aktuelles Magazin | Mediathek | Abo | Shop | Kontakt | Gebet für Israel | Verlag | Links | Leserreisen | Charisma 144 | Charisma 145 | Charisma 146 | Charisma 147 | Charisma 148 | Charisma 149 | Charisma 150 | Charisma 151 | Charisma 152 | Charisma 153 | Charisma 154 | Charisma 155 | Charisma 156 | Charisma 157 | Charisma 158 | Charisma 159 | Charisma 160 | Mediadaten | Gerhard Bially | Impressum | Mithelfer Anmeldung | Mithelfer Anmeldung Bestätigung | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü