Ein Leben für Gott und seine Menschen

Ein Leben für Gott und seine Menschen

Ein Leben für Gott und seine Menschen
Nachruf auf Sr. Maria Horn

Von Gerhard Bially

Am 21. Tag des 21. Jahres des 21. Jahrhunderts wurde Sr. Maria Horn in die Ewigkeit abberufen. Ihr wirkungsvolles Leben – 41 Jahre davon im Missionsdienst in Papua-Neuguinea – wird nun seine Vollendung finden.

Als Kinder haben wir uns gefreut, wenn unsere Mutter (Maria Horns älteste Schwester) oder unser Vater aus den Rundbriefen unserer Tante vorlasen – und uns das ein oder andere dazu erklärten. Gern verfolgten wir den Aufbau des Urwald-Krankenhauses in Etep, das unsere Tante dann auch etwa drei Jahrzehnte leitete. Oft beteten wir für sie – und für die von ihr genannten Anliegen. An ihrem 90. Geburtstag, den wir in der Diakonie Neuendettelsau mit ihr feiern durften, fasste Herr Pfarrer Walz den Dienst der 1927 in Nürnberg geborenen und 1953 von der Neuendettelsauer Missionsanstalt ausgesandten diakonischen Schwester Maria Horn etwa folgendermaßen zusammen:

Schon als Kind
hat Maria Horn an „Kleinsammlungen“
für die Mission teilgenom­men.
Auf einem Bild, das sie damals
geschenkt bekam, stand:
O Jesu, Du rufst mich, ich folge Dir!
„So wurde mir klar, was ich für mein
Leben will“, berichtete sie später.

Um ihr Lebensziel zu verwirklichen, benötigte sie die Ausbildung „in der großen Krankenpflege“ sowie als Hebamme. Sie trat der Diakonischen Schwesternschaft bei, ließ sich von der damaligen Missionsanstalt anstellen (auf Taschengeldbasis) und nach Neuguinea aussenden. Am 4. März 1953 landete sie in Neuguinea, the land of the unexpected – dem Land der Überraschungen. Ihr wurde die Arbeit als Hebamme und Kran­kenschwester im bekannten und berühmten Missions-Krankenhaus Yagaum zu­gewiesen.

Nach sechs Jahren Missionsdienst folgte 1959 der erste Heimaturlaub.

Schwester Maria Horn mit Waisenkindern

(An dieser Stelle möchte ich als ihr Neffe einfügen: Die Heimaturlaube
bestanden nicht nur aus Erholung und Verwandtenbesuchen. Vielmehr galt es, Dia-Vorträge
in Gemeinden zu halten und von der Missionsarbeit zu berichten, um Freunde,
Beter/innen und Unterstützer zu gewinnen.)

Sr. Maria mit Kuru-Patienten und Helferin

Nach diesem ersten langen Heimaturlaub kamen neue, größere Aufgaben und Herausforderungen im östlichen Hochland, nämlich in Okapa und Awande (in der Goroka-Provinz) auf sie zu. Hören wir weiter Pfr. Walz:

Dort half sie und pflegte vor allem Men­schen, die an der rätselhaftenLachkrankheit (Kuru sufferers)er­krankt waren. Besonders den Kindern der Kranken galt ihre Hilfe und Zuwen­dung. Bis zu 80 Waisenkinder betreute sie.

Die Ursachen der Kuru-Krankheit wurden nach jahrelangen Forschun­gen des amerikanischen Arztes Dr. Carlton Gajdusek, der immer wieder Gast bei Schwester Maria war, ent­deckt. Dafür erhielt er den Nobelpreis.

Nach dem zweiten Heimaturlaub im Jahre 1966 absolvierte Schwester Maria eine Sonderausbildung in Indien zur Behandlung von Leprakranken. Die neue Aufgabe der 39-Jährigen: Übernahme und Leitung der Lepra-Kolonie Etep an der Nord-Ost-Küste Papua-Neuguineas.

Tatkräftig baute Sr. Maria die Station zu einem Krankenhaus für die Region um und leitete dieses Krankenhaus (ohne einen festangestellten Arzt) fast 30 Jahre – bis 1994. Unterstützt von zehn lokalen Mitarbeiter/innen wurden Tag für Tag ca.100 Patien­ten gepflegt und versorgt.

Auch hier galt ihre große Liebe und Zuneigung be­sonders den Kindern, den Waisen, den Halbwaisen und Behinderten. Aufbau, Ma­nagement, Seelsorge, kleine chirurgische Eingriffe, Pflege bis hin zur Nachtwache auf allen Ebenen war sie tätig und wurde um Rat und Hilfe gebeten. In beson­deren Notfällen konnte sie per Sprechfunk ein Flugzeugbestellen für intensivere Behandlungen im Stadtkrankenhaus Lae.

Soweit Pfr. i. R. Klaus Walz. Ein Verwandter schrieb meinem Bruder und mir dieser Tage: „Auch ich trauere um diese großartige Frau. Sie hat so viel Gutes geleistet in ihrem Leben, wie wir das alle zusammen nie schaffen. Sie hat den Ärmsten dieser Welt in Neuguinea in einem Krankenhaus jahrzehntelang Heilung gegeben. Beseelt von Jesu Auftrag, selbstlos ohne versteckten Egoismus oder falschen Evangelikalismus. Seien wir stolz, dass wir solche Frauen zu unseren Verwandten zählen, die die Welt besser machen!“

Von unserer Regierung mit dem Bundesverdienstkreuz und von der Regierung in Neuguinea mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet, musste sie doch – wie alle Ausländer nach ihrer Pensionierung (zumindest in den 1990er-Jahren) – das ihr zur zweiten Heimat gewordene Land mit den ihr ans Herz gewachsenen Menschen verlassen. In das vergleichsweise kalte Deutschland zurückgekehrt, nutzte sie die nächsten Jahre, um weiterhin Gemeinden zu besuchen und ähnlich wie bei ihren früheren Heimaturlauben, die Sache der diakonischen Missionsarbeit in Papua-Neuguinea zu unterstützen. Immer wieder gelang es ihr, Fachleute (besonders Ärzte) für einen kürzeren oder längeren Hilfseinsatz in Etep zu gewinnen.

Im Jahr 2000 gründete sie dann den gemeinnützigen Verein „Initia­tive Patenschaften für Papua-Neuguinea-Kinder“, bei dem sie noch über ihren 90. Geburtstag hinaus den Vorsitz innehatte.

Pfarrer Dr. Traugott Farnbacher, der dankenswerterweise die Trauerfeier und Beerdigung von Maria Horn unter Corona-bedingten Erschwernissen hielt, schrieb mir, dass er als Referats-Chef für den Pazifik und Ostasien der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Bayern gerade zu Etep eine intensive Verbindung hatte. Jedes Jahr habe er dort einen Besuch auf der Missionsstation und bei meiner Tante abgestattet und „jeder der Besuche bei ihr war ein schönes, inspirierendes Erlebnis“.

Die Traueransprachen von Herrn Pfr. Farnbacher und Pfr. Arnim Dörfer sowie Nachrufe und Kondolenzschreiben, vor allem aber ein Video von der Abschiedsfeier von Schwester Maria Horn finden Sie hier: https://miteinander.imweb24.de/maria-horn/.

Besonders hinweisen möchte ich darauf, dass Erinnerungsstücke aus Papua-Neuguinea in den Ausstellungsräumen der Mission EineWelt in 91564 Neuendettelsau, Hauptstraße 2, www.mission-einewelt.de zu sehen sind.

geschrieben von: Gerhard Bially

Gerhard Bially

Eine göttliche Beauftragung zieht sich wie ein roter Faden durch meine Biografie: eine Zeitschrift herauszugeben, um Lesern von dem wunderbaren Wirken des Heiligen Geistes in unserer Zeit zu berichten; ihnen Mut machen, mehr als bisher von Gott zu erwarten.

 

Autor Beschreibung

Gerhard Bially

Eine göttliche Beauftragung zieht sich wie ein roter Faden durch meine Biografie: eine Zeitschrift herauszugeben, um Lesern von dem wunderbaren Wirken des Heiligen Geistes in unserer Zeit zu berichten; ihnen Mut machen, mehr als bisher von Gott zu erwarten.

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