Gottes Wege und Gedanken sind höher als unsere (Jesaja 55,9)

Gottes Wege und Gedanken sind höher als unsere (Jesaja 55,9)

Zwei Zeugnisse zur Ehre Gottes
von Ralf Kühnast

Kurz vor Weihnachten 2020 planten wir mit der Freien Evangelischen Gemeinde hier in Lippstadt einen Open-Air-Gottesdienst auf einem Parkplatz vor einem Supermarkt.

Dann kam die Todesnachricht vom Sohn eines unserer Gemeindeältesten. Die Eltern fanden ihn tot in der Wohnung, halb auf dem Sofa liegend. 38 Jahre alt, keine Krankheiten, vorher auch kein Corona. Plötzliches Herzversagen … Viele Fragen kamen auf … Herr, warum?

Als ich den Auftrag bekam, die Beerdigung drei Tage vor Heiligabend zu halten, betete ich und bat unseren Herrn um Weisheit. Ich erhielt vorher den Hinweis, dass der Verstorbene einen sehr großen Bekanntenkreis hat. Deshalb bereiteten wir alles vor, falls die Beerdigung etwas größer werden könnte: Da nur 25 Personen in der Friedhofskapelle erlaubt waren, organisierten wir Lautsprecher, damit die Musik (singen durften wir ja nicht) und die Predigt auch draußen zu hören sind.

Der Tag kam. Drei Tage vorher war es durchgehend am Regnen. Auch für diesen Tag war Dauerregen angesagt. Wir beteten um trockenes Wetter, wenigstens für diese Zeit. Schon morgens sah ich die Sonne am Horizont aufgehen. So sagte ich meiner Frau, dass wir im Glauben gutes Wetter haben werden. Genauso geschah es. Gott ist so gut!  Die Sonne schien mit vollen Strahlen. Als ich als Letzter den Friedhof verließ und in mein Auto einstieg, fielen die ersten Regentropfen. Das war Gottes Timing – aber nicht das einzige Wunder.

Es waren mehr als 200 Personen zur Beerdigung gekommen.Mit Abstand und Masken verteilten sie sich über den ganzen Friedhof. Der Herr hatte mir eine evangelistische Botschaft gegeben, die ich dann weitergeben durfte. Alle diese Leute (überwiegend junge Menschen) gingen dann am Grab vorbei, um sich zu verabschieden und warfen eine Rose ins Grab. Die Rosen waren nicht abgezählt. Wir wussten ja nicht, wie viele überhaupt kommen. Einige brachten auch eine eigene Blume mit. Meine Frau, die in der Reihe ganz hinten stand, sah, dass nur noch fünf Rosen übrig waren. Vor ihr standen 4 Personen. So reichten auch diese, wie abgezählt, bis zur letzten Person. Weil ich neben der Familie stand, durfte ich Blickkontakt zu jeder Person haben. Währenddessen betete ich für jeden einzelnen Menschen, dass der Herr sie segnen solle und sie ihn erleben können.

An demselben Abend mussten wir unseren Open-Air Weihnachts-Gottesdienst absagen, da beide Landeskirchen hier in Ostwestfalen alle Präsenzgottesdienste abgesagt hatten.

Im Gebet hörte ich Gott dann sagen: „Die Beerdigung war dein/euer Weihnachts-Gottesdienst.“ Wir haben dann einen Gottesdienst mit der FeG als Livestream gesendet, womit wir wahrscheinlich mehr Menschen erreicht haben als wenn der Gottesdienst draußen stattgefunden hätte.

So sind des Herrn Wege oft anders als wir denken und planen.
Ich freute mich auf ein paar Tage Ruhe nach Weihnachten, doch auch da waren Gottes Wege anders.

Eine weitere Hiobsbotschaft?

Zwei Tage nach Weihnachten bekamen wir von unserem anderen Ältesten die Nachricht, dass sein Vater (68 Jahre alt) ins Krankenhaus gekommen ist. Er hatte schon die letzten Jahre immer wieder Probleme mit seiner Lunge, da ein Lungenflügel nicht mehr normal funktionierte.

Wegen Corona war kein Besuch im Krankenhaus möglich.
Selbst Verwandte wollte man nicht alle reinlassen, obwohl die Ärzte ihm nur noch wenige Stunden zu leben gaben. So beteten wir übers Handy mit ihm, das sein Sohn dabei hatte. Der Vater war nicht mehr ansprechbar. Plötzlich war die Telefonleitung unterbrochen. Nachher hörten wir, dass er direkt danach seine Augen geöffnet hatte, sich hingesetzt und nach der Toilette gefragt hatte.

Zur selben Zeit war seine Tochter aus Italien mit dem Flugzeug unterwegs, um ihren Vater noch einmal zu sehen. Endlich am Flughafen in Düsseldorf angekommen, kamen die nächsten Hürden. Die Tochter musste am Flughafen erst einen Corona-Test machen. Als das geschafft war, waren Stunden vergangen. Das sollte aber noch nicht die letzte Hürde sein: Draußen auf den Straßen herrschte ein Schnee-Chaos, und die Tochter musste bis ins Sauerland fahren, wo der Schneefall noch viel stärker war.

Als sie das alles geschafft hatte und im Krankenhaus ankam, wartete ihr Vater schon mit den Worten: Gloria Deos (Alle Ehre sei Gott). Sie konnten noch miteinander beten und singen und spät in der Nacht schlief unser Bruder ein und ging zum Herrn.

Obwohl wir nun ja schon „Erfahrung“ hatten von der letzten Beerdigung, waren hier nochmals neue Hürden zu nehmen. Wegen des Corona-Lockdowns war alles nochmal schwieriger. Dazu kamen noch die Feiertage zum Jahreswechsel. Von den Blumenläden bis zum Drucker – alles war geschlossen bzw. im Urlaub.

Da die Tageszeitung gehackt wurde, war keine Anzeige möglich. So rechneten wir dieses Mal mit einer kleinen Beerdigung. Doch unser Bruder hatte ja seit 42 Jahren als Italiener im Sauerland gelebt und war im Ort bekannt, weil er als Maurer vielen beim Hausbau geholfen hatte. Sogar die Pflastersteine auf dem Friedhof waren von ihm verlegt worden.

Als an dem Tag der Beerdigung dann mehr als 100 Personen erschienen, erlebten wir wieder Gottes Führung: Nicht nur, dass wir vorher doch noch einen Drucker gefunden hatten, der uns die Zettel mit den Übersetzungen der Deutsch-Italienischen Lieder und den Bibelversen fertig gedruckt hat und auch eine Gärtnerei, die die Blumen lieferte, sondern dass es an diesem Tag aufhörte zu schneien und die Besucher auch von weiter her anreisen konnten. Dies alles zeigte uns, dass der Herr Dinge vorbereitet hatte. Wir brauchten nur auf diesen vorbereiteten Wegen zu gehen.

Ein Künstler hatte mir zu Weihnachten ein Bild geschickt, das den Titel hatte: Komm ans Licht!

Das Bild zeigt eine geöffnete Tür mit einem Lichtkegel. Keiner wusste vorher, dass der verstorbene Bruder, der Luciano (Licht) heißt, zum Licht in die Ewigkeit gerufen wird. So konnte ich dieses Bild in der Predigt verwenden und auch sein Zeugnis, wie er durch seine Bekehrung ins Licht gerufen wurde und nun im himmlischen Licht das schauen darf, was er geglaubt hat.

Ralf Kühnast
ist Pastor der Nordstern-Kirche in Lippstadt

geschrieben von: Redaktion

 

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