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„Weihnachten für’s Volk“ – ein Fest mit den Armen

Charisma 155 > Aus dem Magazin

Thomas Piehler:
"Weihnachten für's Volk" - ein Fest mit den Armen


Ist es Ihnen auch schon so ergangen, dass sich bei Ihnen nach Weihnachten ein gewisses Gefühl von Unzufriedenheit einstellte? Mir ging es regelmäßig so - trotz gelungener Christvespern, guten Essens, schönen Stunden in der Familie bei Kerzenlicht und köstlichem Weihnachtstee.

Was fehlt?, fragte ich Jesus. Seine Antwort war herausfordernd:
Es fehlen die Menschen, die mir am Herzen liegen. Menschen, die viel oder alles in ihrem Leben verloren haben.

Das brachte mich und die Andreaskirchgemeinde Leipzig Mitte der 90-Jahre auf eine Spur, die unser Denken und Handeln zu Weihnachten grundlegend veränderte. Langsam verstand ich: Jesus wurde nicht im Palast, sondern im Stall geboren. Arme, von der Gesellschaft verachtete Hirten bekommen es zuerst gesagt: Der Retter ist geboren! Hier stellt Gott klar: Meine Liebe gilt zuerst den Armen - denen, die am Rande der Gesellschaft leben. In der Auseinandersetzung mit den religiösen Führern seiner Zeit sagt Jesus: Ich bin nicht für die Gerechten da, sondern für die von Gott getrennten und kranken Menschen.


Weihnachten mit denen, die Jesus zuerst am Herzen liegen

So überlegten wir in der Gemeinde: Wie feiern wir ein Weihnachtsfest mit Menschen in Leipzig, die Jesus zuerst am Herzen liegen? Als bisher bürgerlich geprägte Kirchgemeinde gab es manche Hürde zu überspringen: Haben wir ein Mandat für Menschen, die in völlig anderen Lebensumständen leben als wir selbst? Wird unsere Einladung überhaupt angenommen? Was wird aus unserem "eigenen" Heiligen Abend, wenn wir für andere da sind? Wird es genügend Mitarbeiter geben, die bereit sind, fest gefügte familiäre Traditionen hinter sich zu lassen?

Gott sei Dank war das Drängen des Geistes stärker als alle Fragen und Bedenken. Am Heiligen Abend 1998 luden wir von 19.30 bis 23.00 Uhr erstmalig zum Fest
Weihnachten für's Volk ein. Die Inspiration für den Titel kam aus Lukas 2,10-11: Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird. Denn euch ist heute ein Retter geboren (Elberfelder). Wir hatten mit Handzetteln und Plakaten in sozialen Einrichtungen, Obdachlosenhäusern etc. eingeladen.

Wie erstaunt waren wir, dass sage und schreibe an die 70 Menschen unserer Einladung folgten! "Weihnachten für's Volk" hat sich über die Jahre zu einem Highlight der Gemeindearbeit entwickelt: Im Pavillon der Hoffnung (Messhalle 14, Alte Messe), unserem neuen Gottesdienstort, kamen letztes Jahr über 200 Arme, Obdachlose und Einsame und 50 ehrenamtliche Mitarbeiter zusammen, um den Heiligen Abend gemeinsam zu feiern.


Der Heilige Abend "für's Volk"

Wie gestalten wir das Fest? Ein leckeres Festessen (Entenkeule, Klöße, Rotkraut) an weihnachtlich dekorierten Tischen bildet den Anfang. Dann folgt eine einladende evangelistische Verkündigung, die Jesus als Retter vor Augen malt. Dieser Teil findet seinen Abschluss im Gebet, Jesus als Retter anzunehmen. Vorher erkläre ich, dass jeder, der dieses Gebet persönlich annimmt, mit einem lauten "Amen" antworten darf. Viele, die von Herzen "Amen" gerufen haben, werde ich in der Herrlichkeit bei Jesus wiedersehen. Davon bin ich überzeugt. Die bedingungslose Liebe Jesu gilt zuerst den Armen. Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel (Mt 5,2 - Elberfelder).

Nach der Verkündigung folgt ein buntes Weihnachtsprogramm, zum Beispiel mit spontanem Theaterstück, Musik und Quiz, auch die Kleiderkammer ist geöffnet. Alles läuft nun auf den Höhepunkt zu: Jeder darf zur Bühne gehen und erhält ein liebevoll eingepacktes Weihnachtsgeschenk. Familien mit Kindern kommen vermehrt, weil es vielen schwerfällt, selbst ein schönes Fest zu gestalten. Was für ein bewegender Moment, wenn leuchtende Kinderaugen die Geschenke in Empfang nehmen!

200 Geschenke im Vorfeld einzupacken, eine Messehalle festlich zu schmücken, Essen vorzubereiten usw. - dazu braucht es viele Mitarbeiter mit hingegebenen Händen und Herzen. Die Erfahrung ist: Wer einmal die große Dankbarkeit und Freude der Weihnachtsgäste gespürt hat, sieht nicht zuerst die Mühe, sondern entdeckt in den Freunden von der Straße und in den Einsamen der Stadt Jesus selbst, der gespeist und wertgeschätzt wird. Jesus sagt: Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich … denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken … Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan (Mt 25,34.35.40 - Elberfelder).


Barmherzigkeit zu den Verlorenen

Das jährliche Weihnachtsfest war der Anfang eines neuen Weges. Wir fragten uns: Wie können wir mit den Armen der Stadt regelmäßigen Kontakt haben? Die Idee wurde geboren, eine monatliche Geburtstagsfeier anzubieten. Gerade der Geburtstag eines Menschen ist eine wunderbare Möglichkeit, Wertschätzung und Annahme speziell auszudrücken. Am letzten Sonntag im Monat feiern wir von 12:00 bis 15:30 Uhr mit den Armen das Geschenk des Lebens. Ein Volltreffer, wie sich herausstellte, denn 80 bis 120 Besucher nehmen regelmäßig (seit 2008) an der Geburtstagsfeier teil. Gemeinsam essen, anteilnehmende Gespräche und Geschenke, Ehrung der Geburtstagskinder mit persönlicher Segnung - das alles kommt bei Menschen an, die nach Annahme und Liebe hungern.

In den letzten 20 Jahren meines Dienstes ist mir folgende Erkenntnis wichtig geworden: Prüfstand für eine erneuerte und charismatische Gemeinde ist nicht die Länge der Lobpreiszeit oder die Salbung einer Predigt, sondern die Hinwendung der Gemeinde zu den Armen und Bedürftigen, die in ihrem Leben gestrandet sind. Jede Salbung des Heiligen Geistes wird schal werden, wenn sie nicht in die Barmherzigkeit zu den Verlorenen mündet.

Die Erfahrung zu Weihnachten und zu den Geburtstagen berührt mein Herz zutiefst, denn wir haben Kontakt mit Menschen, die Jesus besonders vermisst. Sein Herz schlägt für die Armen. Das Umdenken hat sich gelohnt, auch eine bisher bürgerliche Gemeinde kann den Sprung schaffen, die Aufforderung Jesu aus einer seiner Gleichnisse ernst zu nehmen: Geh schnell wieder los auf die öffentlichen Plätze der Stadt und bring die Armen und Verkrüppelten, die Blinden und die Gelähmten hierher! Da sagte der Diener zu ihm: "Herr, das, was du angeordnet hast, ist geschehen, aber es sind immer noch Plätze frei!" Da sagte der Herr zu seinem Diener: "Dann geh noch einmal los auf die Feldwege und an die Zäune und bedränge die Leute, hereinzukommen, damit mein Haus so richtig voll wird!" (Lk 14,21-23; Übers. R. Werner).

Die Gemeinde Jesu steht genau vor diesem Paradigmenwechsel: Wird sie weiter versuchen, Menschen zu gewinnen, die schon mehrfach abgelehnt haben, oder wendet sich die Gemeinde endlich den Menschen zu, die kommen, wenn wir sie mit Liebe und Freundlichkeit einladen?

Zuletzt wird uns Jesus nur fragen, ob wir seine Liebe weitergegeben haben. Wer nicht weitergibt, was er empfängt, wird wieder verlieren, was er hatte.


T. Piehler ist Pfarrer der Andreaskirchgemeinde Leipzig und Vorsitzender des Vereins "Pavillon der Hoffnung" in Leipzig.

www.andreaskirche.org
www.pavillon-leipzig.de
Ein kurzer Film über das besondere Weihnachtsfest der Andreaskirche Leipzig ist zu sehen unter: www.vimeo.com/8825469

Das ist Weihnachten - Andreaskirchgemeinde Leipzig from Björn Kowalewsky on Vimeo.



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